Nicolas Lambert

Kommentar in De Tijd: "Alarmglocken"

Das am meisten schockierende am Entschluss von Umicore zum Bau seines neuen Werks in Polen und nicht in Antwerpen, ist die Resignation unserer Politiker. Kommentar in De Tijd von STEFAAN MICHIELSEN. Aus dem Niederländischen von U. Neumann.

Der belgische Umicore-Konzern hat sich für Polen anstatt für Antwerpen als Standort für sein neues Batteriewerk entschieden. 400 Menschen werden dort Arbeit finden. Belgien bekommt den Trostpreis: Das Unternehmen verspricht die Einrichtung einer Forschungsstätte in Olen. Die wird für rund 20 Jobs sorgen.

'Das untermauert die Spitzenposition unseres Landes im Bereich Forschung und Entwicklung’, jubelte der flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA). Eine total unpassende Reaktion. Er hätte sauer sein müssen, weil unserem Land diese wichtige Investition entgeht. Nicht sauer auf Umicore, sondern auf die Umstände und auf diejenigen, die für die Nachteile verantwortlich sind, wegen denen wir diese Gelegenheiten verpasst haben. Und er hätte schwören müssen, alles daran zu setzen, damit uns das kein zweites Mal passiert. Doch nichts davon hat er getan. Man hat sich mit der Niederlage abgefunden, lediglich seine Schwächen zur Kenntnis genommen.

Das gleiche gilt für andere Entscheidungsträger. Der Antwerpener Bürgermeister Bart De Wever (N-VA) wies auf die strengen Umweltbestimmungen hin. Kris Peeters (CD&V) sprach von einem Mangel an geeigneten Fachkräften und von zu hohen Lohnkosten in unserem Land. Das sind zwei Probleme, für die er als belgischer Arbeitsminister eine Lösung suchen müsste.

Bei der Entscheidung gegen Antwerpen haben auch die Mobilitätsprobleme eine Rolle gespielt und die mangelnde Verfügbarkeit von sauberer Energie gegen einen bezahlbaren Preis. Bekannte Probleme, die einfach ungelöst bleiben. Eine andere Erklärung ist, dass Umicore in Polen näher an seinen Kunden ist. Wir bezahlen also noch einmal einen Preis, weil wir Automobilunternehmen wie Renault, Opel und Ford aus unserem Land haben abziehen lassen. 'Schade für Antwerpen, aber den Unternehmen steht es frei, zu wählen, wo sie sich mit ihren Werken niederlassen', reagierte der föderale Vizepremier Jan Jambon (N-VA). Das sei ein Beispiel für das Schulterzucken, die Passivität unserer Politiker, schreibt Stefaan Michelsen in De Tijd in seinem Kommentar.

Wir geben Geld für Kampagnen aus, um nach dem Brexit europäische Hauptquartiere von internationalen Versicherern aus London hierher zu holen. Und wir sind höchst erfreut und selbstgefällig, wenn wir damit ein paar Dutzend Jobs in unser Land holen können. Wir unternehmen Anstrengungen mit begrenztem Erfolg, um Verteilerzentren von elektronischen Handelsunternehmen hier einzurichten, obwohl es sich hierbei um wirtschaftliche Tätigkeiten mit begrenztem Mehrwert handelt.
Doch wenn es uns nicht gelingt, einen Industriekonzern wie Umicore mit einer Gallionsfigur wie Thomas Leysen als Vorsitzenden und mit einem belgischen Großaktionär wie GBL von der Einrichtung einer zukunftsorientierten Aktivität hier zu überzeugen, dann zeigt das, dass wir mit großen Nachteilen kämpfen, die unsere Wirtschaft strukturell schwächen. Da müssen die Alarmglocken läuten. Dass unsere Politiker dieses Signal komplett überhören und nicht beabsichtigen, gegen die Probleme vorzugehen, weil sie diese Aufgabe von vornherein als hoffnungslos betrachten, ist sehr beunruhigend.