Für Belgien steht im Brexit-Fall besonders viel auf dem Spiel

Belgien steht an vierter Stelle der Länder der Europäischen Union - hinter Deutschland, Frankreich und den Niederlanden -, die vom Brexit spürbar beeinträchtigt werden könnten. Das geht aus einer an diesem Donnerstag veröffentlichten Studie des Beraterbüros Deloitte hervor. Letzteres legt den belgischen Unternehmen ans Herz, sich am besten "schon jetzt auf das Schlimmste vorzubereiten."

Das Vereinigte Königreich ist ein wichtiger Handelspartner für Belgien und umgekehrt. Der Nachbar stellt einen der fünf Hauptpartner des belgischen Exports dar: Die belgischen Ausfuhren ins Vereinigte Königreich belaufen sich insgesamt auf knapp 32 Milliarden Euro. Das macht fast 9 Prozent des gesamten belgischen Exports aus.

Die wichtigsten Exporte von Belgien ins Vereinigte Königreich betreffen den Automobilsektor (14,5% des Gesamtexports), den Chemie- und Pharmasektor (20%), den Lebensmittel- und Getränkesektor, die Textilindustrie, synthetische Materialien und den Maschinenbau.

"Diese Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich lassen darauf schließen, dass Belgien an vierter Stelle der 27 EU-Mitgliedstaaten hinsichtlich der Wirtschaftsrisiken steht, die der Brexit mit sich bringen wird."

Insbesondere Flandern werde die Auswirkungen zu spüren bekommen, heißt es bei Deloitte. Flandern produziert 80% des belgischen Exports, der für das Vereinigte Königreich bestimmt ist. Auf die Region fallen auch 87% der Importe aus diesem Land", stellt Deloitte fest.

Wallonien, das weniger vom Handel mit dem Vereinigten Königreich abhängt, könnte allerdings ebenfalls die Auswirkungen des Brexits zu spüren bekommen. Das gilt besonders für die Bereiche Holz, Stein, Glas sowie medizinischer Medikamente und Apparaturen.

In Brüssel würden vor allem der Automobilsektor und die Lederbranche getroffen.

Deloitte geht von zwei Brexit-Szenarien aus, einer harten und einer weichen Version. In beiden Fällen seien unendlich viele Variationen möglich, heißt es noch. Egal, welches Szenario eintrete, werde unvermeidlich, dass die belgischen Unternehmen, sowohl diejenigen, die Handel mit dem Vereinigten Königreich betreiben, als auch diejenigen, die dort eine Niederlassung haben, mit einer Erhöhung ihrer Geschäftskosten konfrontiert würden.

Deloitte rät nun den belgischen Unternehmen, sich gut auf den Brexit vorzubereiten, indem sie alle potenziellen Auswirkungen analysierten und einen Aktionsplan erstellten, um schnellstmöglich und angemessen reagieren zu können, bevor es zu spät sei.