Nicolas Maeterlinck

Lufthansa-Chef: "Brussels Airlines ist zu klein für alleinige Erfolgsgeschichte"

"Niemand kennt Brussels Airlines in Skandinavien oder Madrid. Eurowings muss das Aushängeschild werden", sagt der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr in einem Gespräch mit der VRT. Die Lufthansa-Gruppe ist seit Dezember zu 100 Prozent Eigentümer von Brussels Airlines. Spohr griff auch die Gewerkschaften an. "Ich sage Ihnen: Wenn Brussels Airlines keine besseren Ergebnisse erzielt, sollten Sie von uns auch keine Geschenke erwarten."

Mitte Mai hatten die Piloten von Brussels Airlines zwei Tage lang ihre Arbeit niedergelegt. Sie klagten über den zu hohen Arbeitsdruck und die Löhne. Die Protestaktionen hatten für mehr als 60.000 Passagiere Folgen.

Ein erster Vorschlag eines flexiblen Kompensationsplans, der eine Erhöhung des monatlichen Bruttolohns der Piloten ab dem 1. Januar 2019 um 3 Prozent vorsah und noch einmal 3 Prozent ab 2020, sollte ein Wachstum ausbleiben, wurde von den Piloten abgeschmettert.

Seither wird erneut verhandelt und liegt der Fokus auf einer Verbesserung des Gleichgewichts zwischen Arbeit und Privatleben. Das ist der Hauptkritikpunkt der Pilotengemeinschaft.

"Halten Los in eigenen Händen"

Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr spricht offenherzig auf der IATA-Luftfahrtkonferenz in Sydney. Er betont, dass die Strategie der Gruppe sehr deutlich sei: "Die Lufthansa-Gruppe zählt 15 Fluggesellschaften. Wer die Kosten drosselt und für mehr Einnahmen sorgt, kann zu 100 Prozent mit unserer Unterstützung rechnen. Ein gutes Beispiel ist SWISS, die neue und zusätzliche Maschinen bekommt. Bei Austrian Airlines und Brussels Airlines wurden weniger gute Resultate verbucht. Diese Gesellschaften brauchen nicht auf Zusatzinvestitionen hoffen. Lassen Sie mich es so formulieren: Sie halten Ihr Los in eigenen Händen."

"Innerhalb der Lufthansa-Gruppe ist Brussels Airlines eine relativ kleine Gesellschaft. Wenn dort gestreikt wird, spiegeln sich die Folgen schnell in den Geschäftszahlen wieder. Wir haben in Deutschland mit Lufthansa auch schwierige Zeiten mit anhaltenden Streiks erlebt, aber die (finanziellen, Red.!) Folgen waren weniger groß. Der Grund hierfür ist simpel: Wir waren solchen Einkommensverlusten einfach auf allen Gebieten gewachsen."

Spohr will in Zukunft Brussels Airlines offenbar aufteilen: Der Name Brusses Airlines ist sicher noch ein Markenname für afrikanische Bestimmungen. Das wird auch noch einige Jahre so bleiben. Doch was Europa betrifft, so werde Brussels Airlines unter dem Namen Eurowings fliegen, sagt er. "Eurowings muss das Aushängeschild unserer paneuropäischen Antwort auf Billigfluggesellschaften wie Ryanair und easyJet werden."

Wo wird Brussels Airlines 2020 stehen?

Inzwischen hat die Integration von Brussels Airlines mit der neuen Vorstandsvorsitzenden Christina Foerster innerhalb von Eurowings, der anderen Tochter von Lufthansa, begonnen. Wo wird Brussels Airlines 2020 stehen? Das Personal und vor allem die Piloten machen sich Sorgen um ihre Zukunft.

Carsten Spohr will die Piloten beruhigen. Sie bräuchten keine Angst haben, vor nichts und niemandem. Lassen Sie mich es so formulieren: Brussels Airlines ist zu klein, um alleine eine Erfolgsgeschichte zu stemmen. Die Arbeitnehmer bei Brussels Airlines sollten sich eher hinter die Integration mit Eurowings stellen, um auf diese Weise die Margen und Einkünfte zu erhöhen. Die Lufthansa-Gruppe braucht die Synergien nicht, Eurowings genausowenig. Brussels Airlines hingegen benötigt sie dringend, um weiter zu wachsen und wie SWISS weitere und neue Flugzeuge zu bekommen und neue Bestimmungen hinzufügen zu können."

Zielsetzungen müssen schon erreicht werden

"Für die Langstreckenflüge sehe ich weniger einen Bedarf an Integration, weil wir meinen, dass sich Brussels Airlines zum Kompetenzzentrum von Eurowings weiterentwickeln könnte." Für Langstreckenflüge könnte dieser Wachstum in Brüssel erfolgen, aber nur, wenn die Gewinnmargen das zulassen. "Doch auch hier: Wenn die Zielsetzungen nicht erreicht werden, sind Zusatzinvestitionen und Wachstum kein Thema."