Gefängnis setzt Imame zur Deradikalisierung ein

Die flämische Regierung setzt Imame in Haftanstalten ein. Sie sollen Häftlinge betreuen,  die sich möglicherweise im Gefängnis radikalisiert haben. Das Projekt zielt auf Häftlinge ab, die vorzeitig entlassen werden könnten.

Die Imame erstatten dem Gericht, das für den Häftling zuständig ist, Bericht. Khalid Benhaddou von der Plattform für flämische Imame ist der Überzeugung, dass radikalisierte Häftlinge auf diese Weise wieder auf den rechten Weg finden würden.

“Wir werden Gespräche führen, in denen wir versuchen, das Verhalten der Häftlinge zu verändern. Wir werden probieren, die Argumente, die sie hervorbringen, der Reihe nach zu entkräften. Wir werden das in einem größeren Kontext machen. Wir verstehen sehr gut, dass der ideologisch religiöse Aspekt im gesamten Prozess der Radikalisierung nur ein Glied in der gesamten Kette ausmacht”, erklärte Khalid Benhaddou (Foto unten) gegenüber der VRT. Man werde sich auch mit Wissenschaftlern, die dieses Thema untersuchten, beraten. Und man werde sich Gedanken machen, wie man diese Häftlinge ausbilden und in den Arbeitsmarkt integrieren könne. Nur so könne man der Person helfen, ist Benhaddou überzeugt.

Nach dem terroristischen Anschlag durch Benjamin Herman in Lüttich scheinen die Gefängnisse mit ihrem Vorschlag auf offene Ohren zu stoßen. Wie kann gegen die Radikalisierung in den Haftanstalten vorgegangen werden? Schon 2015 hatte sich Justizminister Koen Geens (CD&V) entschieden, zweigleisig zu fahren: Die Rekrutierer für den Dschihad und die Haßprediger sollten isoliert und die Häftlinge, die Gefahr laufen, sich zu radikalisieren, kontrolliert werden.

Nach der Einstellung von zwei flämischen Beratern in Sachen Radikalisierung, hat das Kabinett des flämischen Gesundheitsministers Jo Vandeurzen (CD&V) jetzt das Projekt Theologische Vorgehensweise bei islamischer Radikalisierung vorgeschlagen. Das Projekt ist spezifisch auf Häftlinge ausgerichtet, die vorzeitig entlassen werden könnten und soll mit rund 174.000 Euro im Jahr finanziert werden. Es wird durch zwei bekannte Imame koordiniert: Saïd Aberkan, Hauptberater für den Islam im Gefängniswesen in Flandern und Khalid Benhaddou, der Vorsitzende der flämischen Plattform für Imame (PVI).