Krieg der Stadtführer in Brüssel und Brügge…

In der belgischen Hauptstadt Brüssel kommt es schon Mal vor, dass sich die traditionellen und speziell ausgebildeten Stadtführer mit Vertretern ihrer „alternativen“ Konkurrenz um Kunden streiten. Doch in Brügge eskalierte der Streit jetzt. Hier kam es bereits zu Handgreiflichkeiten. Dass sich die Welt im Tourismus auch dort ändert, scheinen einige wohl nicht begreifen zu wollen.

Tourismus ist heute nicht mehr unbedingt das, was es einmal war. Früher buchte man ein Hotel und zuweilen auch eine Stadtführung. Heute jedoch bieten Übernachtungsanbieter wie AirBnB Konkurrenz und alternative Stadtführer bieten Führungen an und zwar auf ehrenamtliche Weise und die Touristen zahlen, was sie wollen. Manchmal aber auch nichts. Damit können sich die „alten“ Stadtführer von Brügge nicht abfinden. Diese nennen die alternativen Stadtführer schlicht und einfach „Piraten“, die ihnen ihre Kunden wegschnappen.

Dabei kam es allerdings bereits mehrmals von Seiten der „Alten“ zu wüsten Beschimpfungen und sogar zu Handgreiflichkeiten. Ein selbständiger Stadtführer gab gegenüber der lokalen Presse bereits an, man habe ihm seinen „Regenschirm“ abgenommen. In die Höhe gehaltene Regenschirme scheinen nach wie vor das Signal von Stadtführern zu sein, so lächerlich dies auch aussehen mag…

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Doch was bieten die „alternativen“ Stadtführer eigentlich an? Diese beschränken sich ja nicht unbedingt nur auf Brüssel und Brügge. Solche Anbieter schlagen den Touristen vor, eine Stadtführung zu machen, die nicht unbedingt den klassischen Routen und Sehenswürdigkeiten folgt und sie erzählen dabei Geschichten, die nicht unbedingt in den Reiseführern stehen. Die traditionellen Stadtführer bieten klassische Rundgänge an und versorgen ihre Zuhörer mit Fakten und Zahlen zu dem, was zu sehen ist. Die verstehen die Konkurrenz der „Piraten“ als Angriff. Diese Leute hätten ihr Handwerk nicht gelernt und würden sogar ihre Dienste gratis anbieten.

Ihre Proteste werden allerdings weder in Brüssel, noch in Brügge wirklich ernst genommen. Das hat zwei Gründe. Die alternativen Stadtführungen erfreuen sich großer Beliebtheit und werden inzwischen sogar von offiziellen Tourismusverbänden empfohlen. Daneben gehört „die Straße“ jedem. Sie ist für alle da, also auch für Stadtführer, die eine andere Sicht der Dinge haben. Möge der Tourist selbst entscheiden, worauf er Lust hat. Die Auswahl ist groß. Öffentlicher Streit, ob verbal oder handgreiflich, schadet nur den Städten und ihrem internationalen Ansehen.