Mitgliederschwund: 88.000 Gewerkschaftler weniger

Die Gewerkschaften in Belgien haben im Zeitraum 2014 bis 2016 rund 88.000 ihrer Mitglieder verloren. Das berichten das frankophone Magazin Politique und die Tageszeitung Le Soir. Die Gründe für diesen Mitgliederschwund liegen in erster Linie bei der wirtschaftlichen und der sozialen Entwicklung.

Solch einen Mitgliederschwund verzeichneten die hiesigen Gewerkschaften zuletzt zwischen 1982 und 1988 und davor in der Zwischenkriegszeit in den 1920er Jahren. Jetzt kündigten etwa 88.000 Mitglieder ihre Mitgliedschaft auf. Das entspricht rund 2,5 % der gesamten Gewerkschaftsmitglieder in ganz Belgien.

Die liberale Gewerkschaft ACLVB bleibt von dieser Entwicklung bisher verschont und bei der sozialistischen Gewerkschaft ABVV bleiben die Verluste noch vertretbar. Hier ist dieser Mitgliederschwund am ehesten in der Wallonie zu spüren. Am heftigsten trifft dies die christliche Gewerkschaft ACV und hier vor allem in Flandern, wo sie eigentlich traditionell besonders stark vertreten ist.

Beobachter sehen für diese Entwicklung mehrere Gründe: die Mitglieder sind mehr und mehr unzufrieden mit den Dienstleistungen der Gewerkschaften. Nicht wenige Gewerkschaftler können sich nicht mehr mit der Art und Weise identifizieren, mit der ihr Verband mit der belgischen Bundesregierung umspringt.

Ein weiterer Grund ist wohl, dass sich eine Tendenz abzeichnet, weg von Großbetrieben und hin zu mittelständischen Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Solche Firmen sind nicht dazu verpflichtet, Gewerkschaftsvertretungen zu organisieren. Nicht zuletzt könnte dies auch daran liegen, dass eine sinkende Zahl an Arbeitsuchenden für weniger Aufmerksamkeit gegenüber Gewerkschaften mit sich bringt.