David rozing

Belgische KMU nutzen EU-Subventionen noch zu wenig

Von den 3.832 Projekten, die die Europäische Kommission über ihre Förderprogramme für KMU finanziell unterstützt, sind nur 45 aus Belgien. Das ist wenig, wenn man bedenkt, dass Belgien als Brutstätte für KMU bekannt ist. 

Die Europäische Union hat 2014 im Rahmen ihres Programms Horizon 2020 das KMU-Instrument ins Leben gerufen. Ziel dieses Programms ist es, eine innovationsfördernde Umgebung innerhalb der Europäischen Union zu schaffen. Mit einem Budget in Höhe von 3 Milliarden Euro, das die EU im Zeitraum von 2014 bis 2020 für 7.500 Projekte zur Verfügung stellt, können kleine und mittlere Unternehmen konkrete Innovationen zur Marktreife entwickeln. Auch eine Förderung einzelner KMU ist möglich

Bislang erhielten 3.832 Projekte Hilfen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro. Belgische Unternehmen haben von dem Fördertopf 13,5 Millionen Euro für insgesamt 45 Projekte empfangen. Belgien steht damit EU-weit an 19. Stelle. Das ist erstaunlich wenig, da dieses Land als Inkubator der KMU gilt.

Neun von zehn Unternehmen, die von dem Fördergeld profitieren, kommen zudem aus dem Norden des Landes. Brüssel und Wallonien scheinen den Weg zu den Fördertöpfen nur schwer zu finden. Im Süden des Landes spielt nur Wallonisch-Brabant mit sechs Projekten eine Rolle bei dieser Form der Förderung.

Die Firmen können zwischen 500.000 und 2,5 Millionen Euro pro Projekt erhalten. Das sind hohe Beträge, gibt auch Danny Van Assche vom flämischen Verband selbständiger Unternehmer UNIZO zu. "Doch europäische Subventionen sind mit viel Papierarbeit verbunden. Für diese Arbeit haben die kleinen KMU häufig nicht genug Personal. Sie fangen deshalb meist gar nicht damit an”, so Van Assche.

Obwohl die Situation in Flandern besser aussieht, findet er, dass die flämische Regierung und auch die Organisationen, die die Interessen von KMU vertreten, die Unternehmen besser an die Hand nehmen sollten, um ihnen den Weg zu den Fördertöpfen zu zeigen.

Eine ähnliche Situation zeigt sich hinsichtlich der europäischen Fördermittel für Forschung und Entwicklung. Auch hier hinkt Wallonien hinterher. Von den 1,48 Milliarden Euro, die Belgien als Teil des Programms Horizon 2020 erhält, fließt nur etwa ein Zehntel (160 Mio. Euro) nach Wallonien..

KMU in Belgien sind international ausgerichtet

Dass die belgischen KMU kaum Subventionen beantragten, heiße aber nicht, dass sie nicht international seien, reagiert Danny Van Assche noch. “Wir haben viele international ausgerichtete KMU, nur scheint es, dass sie keine Subventionen beantragen, die ihnen in ihrem internationalen Wachstum behilflich sein könnten.”

Das gehe KMU in Ländern wie den Niederlanden, Luxemburg und Dänemark übrigens nicht viel anders. “Sie sind auch sehr international ausgerichtet, haben aber weniger die Gewohnheit, europäische Hilfen zu nutzen.”