"Plötzlich müssen wir in einer Welt arbeiten, die es seit 1992 nicht mehr gibt."

Immer mehr flämische Unternehmen schmieden einen Plan B gegen den Brexit. Sie bereiten sich mit Notplänen auf den Austritt Großbritanniens aus der EU vor und stellen sich auf einen Wirtschaftsschock ein. Das hat eine Umfrage der Finanzzeitung De Tijd ergeben.

Die politische Unschlüssigkeit und Trägheit mit der die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien geführt werden, fördern offenbar den Pragmatismus der Unternehmen.

'Fifty shades of May', umschreibt Stephan Vanfraechem vom Antwerpener Hafenverband Alfaport den Zustand. Die Unternehmen sollten sich lieber gut vorbereiten, denn es kämen Zollformalitäten auf sie zu.

Pieter Balcaen, Manager der Zeebrügger Logistikgruppe ECS, befürchtet lange Staus. In Antwerpen gebe es ausreichende Zollposten, aber in Zeebrügge sind es nur fünf und davon drei in der gleichen Straße. "Stellen Sie sich vor, dass plötzlich von Tausenden Lkw die Zollpapiere nicht in Ordnung sind", wird der Manager in De Tijd zitiert.

Der Hafen von Zeebrügge versucht, daran etwas zu ändern, indem er ein digitales System für Zollformulare einrichtet, so dass lange Warteschlangen vermieden werden können. Trotzdem bleibt jede Menge Papierkram zu erledigen. Die zusätzlichen Zollbeamte, die die Regierung einplant – sollten sie gefunden und beizeiten ausgebildet sein -  können die Hafenunternehmen nicht wirklich beruhigen.

Gut wäre, wenn der belgische Zoll eindeutige Vereinbarungen mit dem britischen Zoll treffen würde. Doch das darf die Verhandlungen zwischen London und Brüssel nicht beeinträchtigen. Deshalb, heißt es in De Tijd, seien die Unternehmen sich selbst überlassen.

"Wir werden unseren Kunden dazu raten, die Ladungen bereits in ihrem eigenen Land zu deklarieren. Das ist Pflicht, denn wer die Formulare nicht ausgefüllt hat, wird nicht auf die Kais gelassen", so der ECS-Manager.

Der belgische Wirtschaftsminister Kris Peeters (CD&V) hat am gestrigen Freitag jedenfalls schon einmal eine Kampagne ins Leben gerufen, um Unternehmen vor den Folgen eines harten Brexit zu warnen. Seiner Auffassung nach unterschätzten vor allem die kleinen und mittleren Betriebe die Folgen. "Das macht mir Sorgen", wird Vanfraechem in De Tijd zitiert. "Plötzlich müssen wir in einer Welt arbeiten, die es seit 1992 nicht mehr gibt." 

Unterdessen stottern die Brexit-Verhandlungen vor sich hin. Der EU-Chefunterhändler Michel Barnier, hat gerade erst einen Vorschlag der britischen Regierung vom Tisch geschmettert. Darin verlangt sie - sollten die Gespräche scheitern - ganz Großbritannien einstweilen in eine Zollunion mit der EU zu "führen".