Soll Belgien einen vierten Mobilfunk-Anbieter bekommen?

Belgiens Bundesminister für Telekommunikation, Alexander De Croo (Open VLD), kann sich vorstellen, dass in unserem Land ein vierter Mobilfunkanbieter auf den Markt kommen soll. Der liberale Minister ist der Ansicht, dass dies zu mehr Wettbewerb und damit zu besseren Preisen für die Verbraucher führen wird. Belgiens Technologie- und Industrieverband Agoria hält dies aber derzeit noch für Marktverstörend und glaubt, der Minister habe bereits einen neuen Netzbetreiber im Ärmel.

Derzeit teilen sich in Belgien drei Mobilfunkanbieter den Markt: Proximus, Orange und Telenet. Dass die Preise für Telekommunikation, sprich für Mobilfunk, in unserem Land im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsländern recht hoch liegen, ist nicht neu.

Jetzt will der Telekomminister etwas daran ändern und gibt an, dass Länder mit vier (oder mehr) Netzbetreibern teilweise deutlich niedrigere Preise für mobile Daten vorweisen. Dies führe zu einer höheren Datennutzung und nicht zuletzt auch zu Investitionen in diesem Bereich.

Im kommenden Jahr werden in Belgien die Frequenzen für die Mobilfunknetze für die nächsten 20 Jahre versteigert. Dabei geht es um das heute (noch) aktive 4G-Angebot aber auch um das in Zukunft kommende stärkere 5G-Netz. De Croo will gerade diese Gelegenheit nutzen, um einen neuen Anbieter am Markt zu platzieren. Sein primäres Ziel ist hier aber offenbar, dass er Belgien als eines der ersten vollausgerüsteten 5G-Länder zum Pionier machen will.

Komplett andere Sicht der Dinge

Doch damit hat der belgische Technologie- und Industrieverband Agoria ein Problem. Hier ist man der Ansicht, dass ein von der Regierung ins Spiel gebrachter zusätzlicher Mitspieler den Markt eher verstören werde und dass dies den 5G-Ausbau eher behindere, bzw. in einer ersten Phase nicht zu besseren Preisen und Bedingungen für die Verbraucher führe.

Schließlich sei die Ersteigerung einer 5G-Lizenz ein sehr teures Unterfangen, dass zuerst zurückverdient werden müsse. Langfristig wird laut Agoria eine Unsicherheit am Markt entstehen, die die von Telekomminister De Croo erhofften Investitionen eher zurückhalten werde. „Scharfe Preise in einem vollwertigen 5G-Netz“ seien nicht zu erwarten, glaubt Agoria im Gegensatz zum zuständigen Minister.