Energieplan: "Was erwartet Europa von Flandern?"

Die neuen Energieziele der Europäischen Union sind ambitionierter, als bisher erwartet. Bis 2030 sollen die EU-Mitgliedsländer 32 % ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen ziehen. Das ist 5 % mehr als das, was bisher geplant war. Im belgischen Bundesland Flandern werden diese hohen Erwartungsziele mit gemischten Gefühlen bewertet.

Die EU-Unterhändler haben sich auf eine Erhöhung der Erwartungen in Sachen erneuerbare Energiequellen einigen können. Ihr vorläufiges Abkommen sieht bis 2030 5 % mehr erneuerbare Energie pro Mitgliedsstaat vor, als bisher geplant. Jetzt ist es an den Ländern und Regionen in den EU-Mitgliedsländern, diese Pläne anzunehmen und umzusetzen.

Im belgischen Bundesland Flandern allerdings erschweren unterschiedliche Ansichten auf Regierungsebene eine entsprechende Einigung. Während der liberale flämische Energieminister Bart Tommelein (Open VLD) die erhöhten Zielvorhaben durchaus für erreichbar hält, verlangt Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA) eine Machbarkeitsstudie.

"Machbar"

Energieminister Tommelein ist der Ansicht, dass Flandern die Zielvorgabe der EU mit etwas Aufwand durchaus erreichen kann: „Das bedeutet allerdings, dass Flandern ebenfalls ambitionierte Pläne auf Ebene der erneuerbaren Energie machen muss.“

Die Ziele bis 2030 seien machbar, wenn jeder seinen Job mache und wenn sich alle Länder einig sind: „Ich werde meiner Regierung am 1. Juli vorlegen, wie Flanderns Pläne aussehen und dies muss dann dazu beitragen, die europäischen Ziele zu erreichen.“

"Realismus"

Doch Flanderns Ministerpräsident ist da schon skeptischer. Geert Bourgeois fordert in dieser Hinsicht Realismus ein: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir eine Machbarkeitsstudie haben wollen. Wenn wir uns engagieren, wollen wir das mit einem entsprechenden Unterbau tun. Das werden wir tun und ich denke, dass dies die Flamen auch von uns erwarten.“

Er werde sich die Vorschläge der EU ansehen, gibt aber zu verstehen, dass das Ganze nicht einfach werden wird. Für Windräder sei nicht überall in seinem Bundesland ausreichend Platz, so Bourgeois. Der Ministerpräsident will jetzt abwarten, was genau die EU von Flandern in dieser Hinsicht erwartet.

"Wenig ambitioniert"

Die Opposition in Flandern zeigt sich enttäuscht darüber, dass sich die Regierung in dieser Frage zu zurückhaltend aufstellt. Die flämische sozialistische EU-Abgeordnete Kathleen Van Brempt (SP.A) hat den Eindruck, Flandern stelle sich sogar auf die Seite der Gegner der erhöhten Energie-Zielvorgaben: „Die Visegrad-Länder (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn (A.d.R.)), die noch mit Steinkohle arbeiten und die Angst vor den ambitionierten Zielen haben, sind sehr stark dagegen. Und Flandern schart sich hinter Länder, wie Polen und Ungarn.“