Belga

Bei Carrefour gehen fast 300 Stellen weniger verloren als ursprünglich geplant

Bei der Supermarktkette Carrefour werden im Zuge der beschlossenen Umstrukturierung in Belgien 950 Stellen verloren gehen. Ursprünglich war der Abbau 1.230 Arbeitsplätzen geplant. Freitagvormittag haben die Direktion von Carrefour Belgien und die Gewerkschaften den Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten gutgeheißen. 

Nach der christlichen und der liberalen Gewerkschaft hat am Freitag auch die sozialistische Gewerkschaft dem ausgehandelten Sozialplan bei Carrefour zugestimmt. Das Abkommen zieht vor, dass auch langfristig krankgeschriebene Mitarbeiter nach ihrer Genesung in einem Supermarkt nahe an ihrem Wohnort wechseln können.

Den Mitarbeitern werden vier verschiedene Modelle vorgeschlagen, um das Unternehmen freiwillig zu verlassen. Damit sollen betriebsbedingte Entlassungen vermieden werden. Carrefour hatte zugesagt, die Umstrukturierung und Sanierung des Unternehmens in Belgien sozialverträglich zu gestalten..

Weniger Arbeitsplätze als bisher erwartet gehen unter anderem deshalb verloren, weil die Hypermärkte von Genk und Belle-Ile sowie drei weitere der Großkaufhäuser nicht geschlossen, sondern in kleinere Carrefour-Market-Märkte umgewandelt werden.

„Frührente“ ab 56 Jahre sorgt für Kontroverse

Der Sozialplan sieht auch eine Form der Frühverrentung für rund 600 Mitarbeiter von Carrefour vor. Diese erhalten mit 56 Jahren die Kündigung, erhalten aber von ihrem bisherigen Arbeitgeber einen Zuschlag zum Arbeitslosengeld, so dass sie trotz Arbeitslosigkeit rund 95 Prozent ihres letzten Bruttolohns behalten.

Flanderns Arbeitsminister Philippe Muyters (N-VA) lehnt diese Regelung kategorisch ab. Sie ist laut Muyters ein falsches Signal, denn es sei utopisch zu denken, dass die Menschen, die diesen Betriebszuschlag zum Arbeitslosengeld erhalten, noch für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, was bei den momentan vielen offenen Stellen nicht akzeptabel sei. Sie seien nicht mehr zu vermitteln, weil sie bei so einer hohen finanziellen Zuwendung nicht mehr motiviert seien, zu arbeiten, glaubt Muyters. Auch sei eine solcher Regelung in Zeiten, wo das Rentenalter immer weiter angehoben wird, ein falsches Signal.

Belgiens christdemokratischer Arbeitsminister Kris Peeters hingegen will die Einigung bei Carrefour respektieren. Er wies Muyters zurecht: „Er hat die verdammte Pflicht, auch diese Menschen zur Arbeitssuche zu motivieren“, sagte Peeters. Der Bundesarbeitsminister muss dieser Regelung zustimmen, aber die Bundesländer (Regionen) müssen sie umsetzten. Das sorgt für die jetzige Kontroverse. Brüssel und die Wallonie wollen dem Sozialplan wohl zustimmen.