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Wird Belgische Bahn in den nächsten Wochen an 12 Tagen bestreikt?

Schon wieder wurde eine Streikankündigung bei der Belgischen Bahn eingereicht. Die sozialistische Gewerkschaft will ab Donnerstag 28. Juni um 22:00 Uhr 48 Stunden lang die Arbeit niederlegen. So will sie dagegen protestieren, dass manche Bahnbeschäftigte in Zukunft später in Rente gehen können und auch weniger Rente erhalten. Belgiens Regierungschef Charles Michel hält die Streikpläne für unverantwortlich.

Im schlimmsten Fall müssen die Fahrgäste im kommenden Monat an 12 Tagen mit Ausfällen im Schienenverkehr rechnen. Vorgestern kündigte die Gewerkschaft Metisp-Protect einen Streik für nicht weniger als acht Tage an.

Insgesamt können die verschiedenen Streikankündigungen der vergangenen Tage am 25., 26. und 29. Juni sowie am 2., 4., 6., 9. und 11. Juli zu 24 Stundenstreiks führen. Metisp-Protect ist eine neue Bahngewerkschaft. Die hatte auch in der Vergangenheit schon mehrere Streiktage angekündigt, aber diese Pläne schließlich nicht in die Tat umgesetzt.

Anfang dieser Woche kündigte das Autonome Syndikat der Lokführer (ASTB) Streikpläne an (48 Stundenstreik ab Freitag, 22. Juni um 3 Uhr), sowie die Unabhängige Eisenbahnergewerkschaft (OVS, 24 Stundenstreik ab 27. Juni um 22 Uhr).

Diese Gewerkschaften lehnen das Verhandlungsangebot zur Aufwertung des Lokführerberufs ab. Ursprünglich sollte so das Lohngefälle zwischen den Gehältern in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst kleiner werden, aber die Vorschläge gehen diesen beiden Gewerkschaft nicht weit genug.

Im Falle eines Streiks tritt erstmals die Mindestdienstleistungspflicht in Kraft und das bedeutet, dass eine Mindestangebot an Zugverbindungen garantiert werden muss.

„Trein, Tram, Bus“ (dt.: Zug, Tram, Bus) , der Interessenverband der Kunden der öffentlichen Verkehrsmittel, ist kritisch und befürchtet französische Zustände. In Frankreich wurde die Bahn in den letzten drei Monaten 36 Mal bestreikt. „So zwingt man die Bahnkunden wieder ins Auto“, so ein Verbandssprecher.

Premier Michel: „Völlig unverantwortlich“

Unterdessen müssen sich die Fahrgäste im schlimmsten Fall im kommenden Monat also auf zwölf Tage Ärger bei der Bahn einstellen. Die Bahn hofft, dass die noch ausstehenden Sozialverhandlungen schnell eine Lösung bringen und die Fahrgäste möglichst wenig behindert werden, so eine kurze Reaktion des Bahn-Managements.

Premierminister Charles Michel reagierte empört auf die Streikankündigungen. "Ich habe zwei Worte dafür: "völlig unverantwortlich". Er rief zur Verhandlungen auf und meinte, dass "Bahn-Passagiere nicht als Geiseln gehalten werden dürfen".