Genter Altar: Das ursprüngliche Lamm Gottes, wie es “leibt und lebte”

400 Jahre nachdem die Gebrüder Van Eyck den Genter Flügelaltar gemalt haben, ist das zentrale Motiv des Gemäldes, das Lamm Gottes, wieder so zu sehen, wie es Jan und Hubert Van Eyck einst in ihrem Atelier erschufen. „Das Ergebnis ist wirklich eine Überraschung“, sagt Restauratorin Nathalie Laquière, die drei Wochen brauchte, um die im Laufe der Jahrhunderte angesammelten Farblagen zu entfernen. Übrigens das Lamm nach der Restaurierung steht hier rechts.

Seit Januar wird der weltberühmte Genter Altar vom Königlichen Institut des Kunstpatrimoniums mit hochtechnologischen Verfahren und Werkzeugen restauriert. Bereits seit 1950 wussten Kunstexperten, dass große Teile des „Lam Gods“, wie der Altar hierzulande heißt, übermalt worden waren. Als Restaurateure die Farbe des Grases beim Lamm entfernten, kamen zwei Ohren zum Vorschein, was auf ein anderes ursprüngliches Lamm hinwies. 

Erst die neuesten Restaurierungen legen die Entstehung des berühmten Gemäldes bloß und werfen zugleich neue Fragen auf.

So fragen sich Experten heute, warum das ursprüngliche, kaum beschädigte Lamm aus dem Jahre 1432 im 16. Jahrhundert überhaupt übermalt wurde. Eine spannende Frage, die Kunsthistoriker wie den Genter Universitätsprofessor Maximiliaan Martens, ein treuer Besucher des Restaurierungsateliers, jetzt beschäftigt.

Sint-Baafskathedraal Gent © Lukasweb.be-Art in Flanders vzw, foto KIK-IRPA

„Es fällt auf, dass das ursprüngliche Lamm expressiver wirkt und den Betrachter regelrecht anschaut. Vermutlich wurde es wegen seinem "tierischen Blick" im 16. Jahrhundert übermalt: In dieser Zeit galten viele Vorschriften für die Darstellung der christlichen Lehre. Göttliche Figuren hatten Würde auszustrahlen. Das ist selbstverständlich eine Hypothese, so Martens, denn die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.