Panama Papers: Hat ING Belgien gewusst, wer hinter Offshore-Konstruktion steckt?

In den Panama Papers taucht auch der Name ING Belgien auf. Die Panama Papers sind Dokumente einer panamaischen Anwaltskanzlei, aus denen hervorgeht, wie Milliardäre und Unternehmen, legal oder illegal, Steuern umgehen. Die Finanzzeitung De Tijd und das Wochenmagazin Knack konnten jetzt 1 Millionen neue Dokumente einsehen.

ING Belgien soll über seine Niederlassung in Genf reichen Russen dabei geholfen haben, ihr Geld in Steuerparadiesen anzulegen. Die Bankfiliale hatte für die Russen Konten für Briefkastenfirmen in Panama und auf den britischen Jungferninseln eröffnet. Es könnte sein, dass ING Belgien gar nicht wusste, wer sich hinter diesen Unternehmen verbarg, erklärte der Journalist Lars Bové von De Tijd gegenüber der VRT an diesem Samstag: “Wenn man sich die Briefkastenkonstruktionen ansieht, so findet man stets das gleiche System vor. Die Filiale der ING hat lediglich Kontakt zu Schweizer Anwälten gehabt, die die Scheingesellschaften vertreten. Und es sind genau diese Mittelsmänner, die auf der anderen Seite alles mit der panamaischen Kanzlei regelten. Stellt sich die Frage, wer steckt tatsächlich hinter diesen Konstruktionen?“

Man müsse feststellen, so Bové, dass selbst die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, nur gewusst hat, mit welchen Anwälten sie verhandelte, nicht aber, wer letztlich die russischen Kunden waren. Wir stellen uns deshalb die Frage, wusste das ING Belgien etwa?“

Über Jahre hinweg sollen auf diese Weise Gelder im dreistelligen Millionenbereich am Fiskus vorbei ins Ausland verschoben worden sein.

Bei Anhörungen im Sonderausschuss der Kammer zu den Panama Papers hatte der damalige ING-Chef, Rik Vandenberghe, vor zwei Jahren noch bestritten, dass seine Bank etwas mit Offshore-Konstruktionen in Steuerparadiesen zu tun habe. 

Haben belgische Großbanken eine Schlüsselrolle gespielt?

Die flämischen Sozialdemokraten von der S.PA haben an diesem Samstag auf die Nachricht zur ING Belgien und den Panama Papers besonders verärgert reagiert.

"Die Banker denken wohl, dass sie sich alles erlauben können. Das geht soweit, dass  sie sich über die Bevölkerung lustig machen, wenn sie sich vor den Vertretern dieser Bevölkerung im Parlament aufgrund ihrer Machenschaften in Steuerparadiesen verantworten müssen", betonte Peter Vanvelthoven, der für die SP.A im Panama-Ausschuss im Parlament sitzt, in einer Mitteilung.

Man hätte besser einen Untersuchungsausschuss eingerichtet wie ihn die S.PA gefordert habe. Die Zeugen hätten unter Eid verhört und nun wegen Meineides belangt werden können.

Nach Auffassung von Vanvelthoven gebe es eindeutige Hinweise darauf, dass Großbanken in Belgien eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Briefkastenfirmen im Ausland gespielt hätten.