Europäische Kommission prüft geplante Übernahme des Nylon-Geschäfts von Solvay durch BASF

Die Europäische Kommission hat an diesem Dienstag die Einleitung einer eingehenden Prüfung der geplanten Übernahme des weltweiten Nylon-Geschäfts von Solvay durch BASF angekündigt. Die Kommission befürchtet, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb bei der Belieferung mit wichtigen Vorprodukten der Nylonproduktionskette einschränken könnte.

Die belgische Gruppe hatte im September 2017 einen Übergabevertrag ihrer Polyamidaktivitäten in Höhe von 1,6 Milliarden Euro mit dem deutschen Chemieunternehmen BASF abgeschlossen.

„Nylon findet in Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs Verwendung, wie Kleidung, Sportschuhe und Teppiche, ist aber auch ein wichtiges Vorprodukt für die Industrie, beispielsweise zur Herstellung leichterer Motoren und Autos. Nur wenige Produzenten liefern die für die Herstellung verschiedener Nylonprodukte wesentlichen Vorprodukte, so dass wir sorgfältig prüfen müssen, ob die geplante Übernahme für die europäischen Unternehmen und letztlich die Verbraucher zu höheren Preisen oder einer geringeren Auswahl führen würde“, wird die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in einem Pressebericht der Europäischen Kommission zitiert.

Nach einer ersten Marktuntersuchung, werde die Kommission nun eine eingehende Prüfung zu den Auswirkungen des Zusammenschlusses prüfen, um festzustellen, ob sich ihre anfänglichen wettbewerbsrechtlichen Bedenken bestätigten, heißt es weiter in dem Bericht.

Die Kommission befürchtet, dass der "Zusammenschluss den Wettbewerb auf den Märkten, auf denen das entstehende Unternehmen tätig wäre, beeinträchtigen würde. Insbesondere könnte der Zusammenschluss aufgrund der größeren Marktmacht des entstehenden Unternehmens auf dem Markt für Nylonverbindungen sowie aufgrund seiner stärkeren Stellung in der Nylonproduktionskette zu höheren Preisen führen."

Solvay ist zur Zeit einziger Hersteller im Europäischen Wirtschaftsraum mit Produktionsanlagen auf allen Stufen der Nylonproduktionskette, von ADN bis zu Nylonverbindungen und Nylonfasern. Noch verkaufe Solvay einen großen Teil der hergestellten Zwischenprodukte auf verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette an andere Produzenten von Nylonverbindungen und Fasern, wird im Bericht betont. Auch BASF sei ein vertikal integriertes Unternehmen, stelle jedoch kein ADN her. Der Konzern verkaufe bisher nur einen kleinen Teil seiner hergestellten Zwischenprodukte, da fast die gesamte Produktion intern für die Herstellung von Nylonverbindungen und -fasern eingesetzt würde.  

Die Kommission hat nun bis zum 31. Oktober dieses Jahres Zeit, um eine Entscheidung zu fällen.