„Die Schlacht um die Nordsee“ - Eine Ausstellung in Brügge

Im Provinzpalast, dem „Provinciaal Hof“ am weltberühmten Markt von Brügge, ist eine eindrucksvolle Ausstellung zu einer der prägendsten Seeschlachten des Ersten Weltkriegs zu sehen. Sie widmet sich der „Schlacht um die Nordsee“, bei der die britische Marine am 23. April 1918 die deutsche U-Bootflotte „Marinekorps Flandern“ entscheidend schwächen konnte.

Winston Churchill sagte einmal: „Das einzige, wovor ich im Krieg wirklich Angst gehabt habe, war die U-Boot-Gefahr. ” Vier Jahre lang stationierte das deutsche Kaiserreich seine imposante U-Bootflotte in den besetzten flämischen Häfen von Brügge, Ostende und Zeebrügge. Diese U-Boote versenkten 2.554 alliierte Schiffe mit ihren tödlichen Torpedos und verursachten auf diese Weise einen Versorgungsnotstand mitsamt einer Hungersnot in Großbritannien, die das Königreich fast zur Aufgabe brachte.

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Doch dann, im vierten Kriegsjahr, schlugen die Briten zurück. Am 23. April 1918, dem symbolträchtigen Saint George‘s Day, griff die Royal Navy die am stärksten verteidigten U-Boothäfen der Welt mit massiven Kräften an, um diese U-Bootwaffe auszuschalten. Eine Flotte von 136 Kriegsschiffen griff die Häfen von Zeebrügge und Ostende gleichzeitig an. Während nur einer Stunde der Seeschlacht wurden mehr Tapferkeitsmedaillen erkämpft als in der gesamten britischen Militärgeschichte überhaupt.

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Die Ausstellung „'14-'18, Die Schlacht um die Nordsee“, widmet sich dieser Seeschlacht und deren Helden und Gegnern und ist quasi „in der Höhle des Löwen“ zu sehen. Die Kaiserliche Marine organisierte ihren von den Alliierten gefürchteten U-Bootkrieg während des Ersten Weltkrieges von Brügge aus und hatte ihr Hauptquartier, das „Marinekorps Flandern“, später „Flandern-Flottille“, im „Provinciaal Hof“ auf dem weltberühmten Markt eingerichtet.

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Die Ausstellung spiegelt die beklemmende Atmosphäre des Lebens der deutschen U-Bootsoldaten ebenso wieder, wie die Stimmung unter den Gegnern der Royal Navy, deren Soldaten bis zum Angriff auf die belgischen Nordseehäfen nicht wirklich wussten, wohin sie ihr Einsatz führen würde. Anhand von bisher nie oder nur selten gezeigten Fundstücken auch persönlicher Art von Soldaten aller Klassen bis hin zu einem Torpedo und einer U-Bootkanone aus der damaligen Zeit wird dargestellt, wie es damals war.

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Nebenbei bieten Modelle, Kriegsflaggen und Schlachtengemälde Ergänzungen zu dem, was damals geschah. Den Betrachter beeindrucken dabei auf der einen Seite eine geballte Menge an historischen Fakten und Informationen, aber auf der anderen Seite auch kleine Exponate, die mitten aus dem Leben von ums Leben gekommenen oder überlebenden Soldaten der Marine Großbritanniens und Deutschlands.

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Eine Vielzahl von historischen Fotografien und Gemälden zeigen Krieg und Zerstörung, aber auch die Geschichte des Entstehens der deutschen U-Boote und die Kraft deren Zerstörungsfähigkeiten. In einem der Räume sind historische Fotos zu sehen, die eine Art deutsches Offizierskasino zeigen. Ein Aufseher der Ausstellung erzählte dem Autoren dieser Zeilen, dass es das Gebäude, in dem sich dieses Café seiner Zeit befand, noch existiert. Heute ist das Haus an der „Damse Vaart“, dem Kanal von Brügge nach Damme und Sluis, eine international beliebte Jugendherberge.

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Diese Ausstellung im Herzen von Brügge ist nicht sehr groß, dafür aber umso umfassender und detailreich. Besucher des „Venedig des Nordens“ sollten sie sich auf jeden Fall anschauen. Eine auch in Deutsch verfügbare Broschüre, die man dort an der Kasse erwerben kann, fasst diese Ausstellung zur Nachbearbeitung gut zusammen und beinhaltet auch einige Texte und Illustrationen, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Die Ausstellung ist eine Initiative des Flämischen Marine Instituts VLIZ in Zusammenarbeit mit VisitFlanders, der Provinz Westflandern, nationalen und internationalen Museen und einigen Sponsoren. Sie dauert noch bis zum 31. August 2018. Provinzpalast (Provinciaal Hof), Markt 3, 8000 Brügge.