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Antwerpen Barock 2018 - “Rubens inspiriert”

Seit einigen Tagen wartet die flämische Hafenmetropole Antwerpen mit einem kulturellen Mammutprogramm auf, dass sich dem Thema Barock widmet. Roter Faden durch das Gesamtprogramm, dass sich über mehrere Monate hinzieht, ist der weltberühmte Maler Pieter Paul Rubens. Der Titel des Barockjahres ist denn auch unmissverständlich: „Rubens inspiriert“.

Mit „Antwerpen Barock 2018 - Rubens inspiriert” beweist Antwerpen, dass man Kultur und Tourismus miteinander verbinden kann. Die Hafenmetropole hat dazu natürlich alle Trümpfe in der Hand: Eine weit über das Stadtzentrum hinausreichende Barock-Architektur, viele Museen oder andere Veranstaltungsräume - sowohl unter freiem Himmel als auch unter Dach - und eine beeindruckende und weltweit bekannte Sammlung an Kunstwerken aus dieser Zeit im Allgemeinen.

Barock steht für eine gewisse Opulenz, für eine extravagante Zeit und Gesellschaftsform. Antwerpen zehrt als Heimatstadt von Pieter Paul Rubens von seinem Barock und will dies mit dem Stadtfest „Antwerpen Barok 2018“ unterstreichen. Gleich mehrere Ausstellungen sollen diesen Stil und seine Wirkung ebenso unter Beweis stellen, wie auch Musik, Tanz und Theater.

Viele Projekte und eine spannende Restaurierung

Das Barock- und Rubens-Marathonjahr bietet 8 Ausstellungen, 10 weitere Projekte in Sachen Bildende Kunst, 22 dazu passende musikalische Events und 12 Theaterproduktionen. Daneben runden zahllose Lesungen, Wanderungen, kulinarische Veranstaltungen und Festivals das Programm ab. Spätestens jetzt steht fest, wie sehr die Barockzeit und die Werke von Rubens auf Antwerpen wiegen - im positiven Sinne natürlich! Und internationale Partnerschaften ermöglichten, Werke auch von Rubens als Leihgabe aus aller Welt hierher zu holen.

Spannend ist zum Beispiel, dass der Startschuss zum Rubensjahr gegeben wurde, während die Restaurierung des Rubenshauses noch nicht abgeschlossen ist. Der Portikus des Gartenpavillons (Foto unten) wird gerade unter die Lupe genommen, was genaueste Arbeiten erfordert. Hier ist Millimeterarbeit gefragt. Neugierige dürfen hier zuschauen - vorläufig mit Baustellenhelm… Das Ganze wird mit einer App ergänzt, die die Geschichte des Rubenshauses erzählt und zwar seit dem Bau bis… in die Zukunft.

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Ans Brys

Höhepunkt Leihgabe

Eine der interessantesten Leihgaben für Antwerpen Barock 2018 - “Rubens inspiriert” ist zweifellos das Rubens-Gemälde „Der Märtyrertod des Heiligen Andreas“ aus dem Prado-Museum in Madrid. Eingerahmt in einen schweren Rahmen zeigt es das Leiden des Heiligen Andreas vor seinem Tode am Kreuz. Er selbst scheint sich seinem Schicksal zu ergeben, während seine Mutter verzweifelt noch verhindern will, dass er zu Tode kommt. Dieses Gemälde zeigt bis ins kleinste Detail, welch ein Meister P.P. Rubens als Maler war, wie die beiden folgenden Bilder zeigen.

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Dieses prächtige Spätwerk von Rubens zeigt den Maler auf dem Höhepunkt seines Schaffens und es unterstreicht den Titel dieser Ausstellung, „Der Meister lebt“, besonders eindrucksvoll.

Michaelina Wautier, eine späte Entdeckung

Eine besonders spannende Ausstellung im Rahmen des Barockjahres 2018 in Antwerpen ist wohl die, die sich im MAS (Museum am Strom) Michaelina Wautier und ihrem Bruder Charles widmet. Vor etwa 30 Jahren entdeckte die Kunsthistorikerin und Kuratorin dieser Ausstellung Katlijne Van der Stighelen ein ihr unbekanntes ein Gemälde mit dem Titel „Triumphzug des Bacchus“ in Wien (Foto unten). Als Van der Stighelen erfuhr, dass dieses Werk von einer Frau geschaffen wurde, wollte sie mehr wissen und begab sich auf die wissenschaftliche und kunsthistorische Suche. Diese Forschungsarbeit führte zu dem Buch: „Michelina, die leading Lady des Barock“.

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Bacchanal, Kunsthistorisches Museum Wien

Die Ausstellung im MAS zeigt etwa 40 Werke, die eine schöne Übersicht über das Schaffen von Michaelina Wautier bietet. Die Künstlerin, die 1604 in Mons in der heutigen Provinz Hennegau zur Welt kam und 1689 in Brüssel verstarb, passte in ihrer Zeit in keine damals gültige künstlerische Schublade. In der Periode des Barock waren nur wenige Frauen in der Malerei aktiv und die meisten malten eher Stillleben oder Blumen. Michaelina Wautier aber bevorzugte große Bilder mit vielen Protagonisten oder starke Porträts.

Vielleicht war sie in der Männerwelt des Barock zu gut, um wirklich Erfolg zu haben, wie die Kuratorin Katlijne Van der Stighelen bemerkt: „Michaelina war zu gut, um von der Kunstgeschichte bemerkt zu werden. Sie spielte mit Licht wie Caravaggio und malte wie der damals schon beliebte Vermeer. Sie war nah an den Menschen, sie berührte, sie überstieg den Barock“. Ihr Selbstporträt (unten) unterstreicht diese Ansicht wohl deutlich.

Selbstporträt Michaelina (Lesen Sie bitte unter der Illustration weiter)

Antwerpen Barock hat viel zu bieten

"Antwerpen Barok 2018" lautet der Titel dieses Festivals, dass die Scheldemetropole seit dem 1. Juni in seinen Bann zieht. Dieses Stadtfest setzt den historischen Barock aus der Zeit von Pieter Paul Rubens gegen den zeitgenössischen Barock und wird für eine einzigartige Spannung auf künstlerischer aber auch auf gesellschaftlicher Ebene sorgen.

Im M HKA (Museum für Schöne Künste) sorgt der flämische Künstler Luc Tuymans mit der Ausstellung Sanguine/Bloedrood für Furore. Tuymans stellt hier als Kurator die Werke von alten Meistern dem Schaffen von zeitgenössischen Künstlern gegenüber und sorgt so für ein Spannungsfeld, das seinesgleichen sucht. Er konfrontiert dabei Rubens, Goya oder Georges de la Tour mit Edward Kienholz, On Kawara und Takashi Murakami (bis zum 16. September).

Barock modern

Der ebenfalls flämische Künstler Jan Fabre hingegen stellt seine eigenen Werke in den Mittelpunkt einer Ausstellung in der ehemaligen und heute entweihten Sint-Augustinuskirche (Foto unten). Er ersetzt alte Altarstücke von Rubens, Jordaens und Van Eyck durch eigene barocke Werke. In diesem Rahmen wird auch ein Festival für alte Musik veranstaltet, was wiederum einen besonderen Spannungsbogen spannen wird (ab dem 3. Juli).

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Der Food-Fotograf Tony Le Duc bespeit mit seinen Bildern gleich zwei historische Museen in der historischen Innenstadt von Antwerpen und zwar das Rockoxhuis (Foto oben) und das Snijdershuis. Er setzt seine eigenen Arbeiten gegen die üppigen Werke von Frans Snijders, dessen Bankette stets überladen mit Wild und anderen lukullischen Genüssen sind. (28. September 2018 bis 13. Januar 2019). Was Le Duc mit „Speis‘ und Trank“ veranstaltet, mach der niederländische Fotograf Paul Kooijker mit den „barocken Nackten“ auf den Werken von Rembrandt und Rubens im FOMU (Fotomuseum Antwerpen). Er lässt üppige Körper vor seiner Linse agieren (bis zum 7. Oktober).

Nicht zuletzt darf auch der Skulpturenpark im Middelheimmuseum bei einem solch extravaganten Vorhaben in Antwerpen nicht fehlen. Unter dem Titel „Experience Traps“ sind dort Interviews zu sehen und zu hören, die es dem Betrachter ermöglichen, über modernste Kommunikationstechnik zu reagieren (bis zum 23. September). Dies alles sind nur einige Programmpunkte im reichhaltigen Angebot von „Antwerpen Barok 2018“. Alles weitere bieten die Webseiten www.antwerpenbarok2018.be und www.antwerpen.be.