“PING if you care!” - Brüssels Radfahrer sind Teil der Stadtentwicklung

Die Brüsseler Radfahrer nahmen über "PING if you care!" aktiv an der Stadtentwicklung teil. Jetzt wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Sie gewähren einen spannenden Einblick in den Status Quo der Verkehrsinfrastruktur aus der Perspektive der Radfahrer. Mit den vorliegenden Ergebnissen kann die Stadt Brüssel Maßnahmen ergreifen, um die verkehrstechnische Infrastruktur für das Fahrrad zu verbessern.

Zwischen Mai und November 2017 nahmen dutzende Radfahrer in der belgischen Hauptstadt Brüssel aktiv an der Stadtentwicklung teil. Gemeinsam mit „Mobiel 21“, der flämischen Vereinigung für nachhaltige Mobilität, der Stadt Brüssel und den „Bike Citizens“ war Ziel, Brüssel fahrradgerechter zu gestalten. Die Kombination aus „PING Button“ und der App der „Bike Citizens“ ermöglichte eine direkte und transparente Kommunikation mit der Stadt Brüssel. Sie finanzierte übrigens diese Kampagne.

PING! Wie funktionierte die Aktion?

Auf den Fahrrädern der Teilnehmer wurde ein Bluetooth-Knopf an den Lenker montiert. Durch das Drücken dieses Knopfs können prekäre Verkehrssituationen „gepinged“, also markiert werden. Jede PING!-Situation kann nach der Fahrt mit Hilfe der „Bike Citizens“-App kategorisiert werden. Dazu gehören die Fahrbahnoberfläche, Sichtverhältnisse, infrastrukturelle Gestaltung, Verkehrsampeln, Kreuzungskonflikte oder das Empfinden von Stress.

Insgesamt „pingten“ 404 Teilnehmer mindestens einmal eine auffällige Situation im Aktionszeitraum. Das Projekt erfasste insgesamt 39.887 Registrierungen in der Laufzeit von sieben Monaten. Dabei galt es folgende vier Forschungsfragen in Bezug auf die Stadt Brüssel zu beantworten:

Was macht nach Ansicht der Radfahrer das Radfahren unsicher

Wo liegen die Hotspots für Radfahrer und warum?

Reagieren Radfahrer unterschiedlich sensibel auf Probleme bezüglich Verkehrssicherheit?

Wie wirkt sich die Tageszeit auf die Sicherheit im Straßenverkehr aus?

Die Frage der Infrastruktur

Brüssels Radfahren mangelt es vorrangig an einer vernünftigen Infrastruktur. Rund 60% der Teilnehmer pingten Radwege, die entweder zu eng waren oder die sie mit Fußgängern gleichzeitig nutzen. Ebenso verhält es sich mit schlechten Straßenverhältnissen: Risse und Löcher, beschmutzte Fahrbahnen, lückenhaftes Kopfsteinpflaster sowie Buckel im Straßenprofil sind mit 7.217 PING!s die am häufigsten bemängelten Probleme.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

vide

Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern an Kreuzungen oder auf Radwegen werden ebenso regelmäßig geteilt. Dabei sind parkende Autos auf den Radwegen das häufigste Problem. Interessant ist, dass der Vergleich der Zielgruppen und deren PING!-Verhalten zeigt, dass Frauen und Männer durch alle Altersgruppen hindurch ihre Auffassung von Sicherheit im Straßenverkehr teilen.

Das widerlegt das Vorurteil, Frauen fühlen sich im Straßenverkehr allgemein unsicherer als Männer. Fraglich ist jedoch der Einfluss der Verkehrserfahrung. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl an erfahrenen Radfahrern - im Schnitt gaben 91% der Teilnehmer an, seit mindestens einem Jahr in Brüssel Rad zu fahren - lässt sich nur vermuten, dass unerfahrene Teilnehmer Verkehrssituationen gefährlicher einstuften als erfahrene.

Wie geht die Politik mit PING! jetzt um?

Gerade das Zusammenspiel zwischen dem Rad fahrenden Teil der in Brüssel und der Bereitschaft der Politik, Veränderungen anzupacken, machen PING! zu einem Werkzeug mit dem Potential, konventionelle Planungsstrategien zu ersetzen oder zumindest zu ergänzen. Dass Ballungsräume mit Mobilitätsproblemen enorm zu kämpfen haben ist nichts Neues und für die Verantwortlichen ist es oft schwierig, Ursachen ausfindig zu machen und zu beheben.

Mit dem Projekt „PING if you care!“ sollte das Problem Vergangenheit werden. PING!-Daten zeigen klar wo und in welchem Ausmaß Defizite vorliegen. Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur lassen sich so zielgerecht anvisieren und effizient umsetzen. In wie fern die Brüsseler Regionalpolitik tatsächlich darauf zurückgreift, bleibt abzuwarten. Im Oktober finden auch in der belgischen Hauptstadt Kommunalwahlen statt. Und da will man wohl auch den Autofahrern nicht zu sehr in die Parade fahren. Schließlich zählt auch hier jede Stimme…

(Quelle: Bike-Citizens.net)