Kolonialgeschichte: Brüssel widmet Patrice Lumumba einen Platz

Rund 300 Menschen wohnten am vergangenen Wochenende der Einweihung des Patrice Lumumba-Platzes am Rand des Brüsseler Matongé-Viertels bei. Diese Feier fand auch anlässlich des 58. Jahrestags der Unabhängigkeit der früheren belgischen Kolonie Kongo statt. In Kinshasa, der kongolesischen Hauptstadt, wurden am Sonntag Flaggen Belgiens und der EU verbrannt.

Der Patrice Lumumba-Platz befindet sich in der Nähe der Naamse Poort an der Ecke Elsensesteenweg und Marsveldstraat. Der Gemeinderat des Brüsseler Stadtteils Elsene hatte die Benennung dieses Platzes einstimmig beschlossen. Die beiden Vereinigungen, die sich für diesen Platz eingesetzt hatten, zeigten sich zufrieden, denn die Kolonialgeschichte Belgiens werden heute weiterhin eher unter den Teppich gekehrt.

Laura Ilunga von der Bewegung „Change“ sagte dazu im Rahmen der Einweihung: „In den Schulen wird über die Kolonisierung wenig gesprochen und die kongolesischen Belgier werden hereingelegt. Diese Einweihung und das Denkmal für Lumumba am kongolesischen Matongé-Viertel ist eine deutliche Anerkennung. Wir hoffen, dass dies ein erster und nicht der einzige Schritt ist.“

Lumumbas Ermordung

Patrice Lumumba war der erste Präsident Kongos, nach dem die belgische Kolonie 1960 unabhängig wurde. Doch nach nur zweieinhalb Monaten wurde er von Joseph Kasavubu abgesetzt. Am 17. Januar 1961 wurde Patrice Lumumba (Foto unten) unter dubiosen und dunklen Umständen ermordet. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

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1960 AP

Einer der mutmaßlichen damaligen Mittäter gab seinerzeit an, Lumumbas sterbliche Überreste seien 1961 in Schwefelsäure aufgelöst worden. 2001 wies ein parlamentarischer Ausschuss in Belgien auf die „moralische Verantwortung“ unseres Landes hin. Daraufhin entschuldigte sich die damalige belgische Regierung im Namen des Staates und des Volkes bei Lumumbas Angehörigen und bei der Demokratischen Republik Kongo.

Belgische und europäische Flaggen verbrannt

Die frühere belgische Kolonie Kongo feierte am vergangenen Samstag den 58. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Am Rande dieser Feierlichkeiten hatten rund 100 Demonstranten vor der belgischen Botschaft in der Hauptstadt Kinshasa (Archivfoto unten) die Rückgabe von Lumumbas Leiche gefordert. Dabei verbrannten sie die Flagge Belgiens und die der Europäischen Union.

Laut der kongolesischen Nachrichtenwebseite actualité.cd ist diese Aktion von der Organisation „Lissanga Lumumba“ durchgeführt worden. Genau diese Bewegung will, dass Lumumbas sterbliche Überreste in den Kongo zurückgebracht werden. Mitglieder dieser Bewegung hatten auch die Zeremonie am neuen Lumumba-Platz gestört. Dabei wurden die belgischen Akteure mit Zwischenrufen als Mörder bezeichnet.