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Glücksforschung in Belgien ergibt : Über die Hälfte der 20- bis 34-Jährigen fühlt sich einsam

Als Hauptgrund für das Gefühl der Einsamkeit gaben die Befragten an, keinen Partner zu haben. Die von der Lebensversicherungsgesellschaft NN und der Universität Gent veranstaltete nationale Glücksforschung brachte auch einige unerwartete Ergebnisse ans Licht: Je älter man wird, desto weniger einsam fühlt man sich.

Aber nicht nur die 20- bis 34-Jährigen 54 %) fühlen sich einsam. Fast die Hälfte der Belgier, ungeachtet der Alterskategorie (46 %), fühlt sich „manchmal bis immer einsam“. In der Sparte der 30- bis 50-Jährigen erreicht der Anteil sogar 53 %.

Die Umfrage hat ebenfalls ergeben, dass – entgegen der allgemeinen Annahme – weniger ältere Menschen sich einsam fühlen. Bei den über 70-Jährigen beläuft der Anteil sich auf 28,3 %.

Marco Okhuizen

„Es stimmt, dass weniger ältere Menschen angeben,  einsam zu sein“, so Professor Lieven Annemans von der UGent, „aber wenn sie sich einsam fühlen, sind die Auswirkungen auf ihr Leben weitaus gravierender.

Warum fühlen wir uns einsam?

Verschiedene Faktoren haben ein Einfluss auf das Gefühl des Alleinseins. Insbesondere eine Partnerschaft ist ein ausschlaggebender Faktor. Wer darüber hinaus eine gute Partnerschaft erlebt, fühlt sich weniger einsam.

„Eine gute Partnerschaft zu haben wird als Schutz empfunden. Menschen, die in  ihrer Beziehung Autonomie, Verbundenheit und Kompetenz erfahren, fühlen sich in ihrer Beziehung glücklicher und weniger einsam“, so Professor Annemans: „Wer diese Erfahrungen in einer Freundschaft macht, wird sich ebenfalls weniger einsam fühlen.“

Bei Alleinstehenden ist das Gefühl der Einsamkeit 3,6 x größer. Wer jedoch in einer unglücklichen Beziehung steckt, wird sich sogar noch häufiger (3,7 x) einsamer fühlen.

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Gesundheit und Einkommen

Eine schwache Gesundheit ist ein weiterer wichtiger Einsamkeitsfaktor (2 x). Wer krank ist, kann in die Isolation geraten und sich deshalb einsam fühlen.

Das Einkommen spielt ebenfalls eine ausschlaggebende Rolle. „Menschen, die in Armut leben, können sich weniger am gesellschaftlichen Leben beteiligen. Sie haben andere Sorgen. Wer sich erst um die grundlegenden Bedürfnisse kümmern muss, hat viel weniger Möglichkeiten, sich auch um den Rest zu kümmern,“ erläutert Professor Annemans.

„Trotzdem sind ein hohes Einkommen und eine gute Gesundheit keine Garantie fürs Glücklichsein. Weil wiederum die Qualität der menschlichen Beziehungen sehr wichtig ist.“

Tipps gegen Einsamkeit

Die Untersuchung empfiehlt folgende Initiativen gegen Einsamkeit und für mehr Glück:
-        In die Qualität von Beziehungen investieren: mehr Zeit mit Familie, Freunden, Nachbarn verbringen.
-        Soziale Aktivitäten einplanen: darunter auch Aktivitäten wie Babysitten, ehrenamtliche Aufgaben oder für andere da sein.
-        Spiritualität, Kultur, Natur: Auch in diesen Bereichen lohnt es sich, aktiv zu werden, will man seinem Leben einen positiven Beiklang geben.
-        An sich selbst arbeiten: Statt darauf zu warten, dass andere anrufen, selbst die Initiative ergreifen. Aufgeschlossenheit gegenüber anderen und ab und zu eine digitale Entgiftungskur. Denn viel Zeit vor dem Bildschirm reduziert die Zeit, um Beziehungen im echten Leben zu pflegen.

Rolle für die Behörden

Professor Annemans findet, dass auch die Behörden eine entscheidenden Einfluss auf das Empfinden von Einsamkeit und Glück haben können: Armut und Gesundheit sind Faktoren, die von der Politik und insbesondere von der lokalen Politik positiv beeinflusst werden können. „Lokale Behörden können in Nachbarschaftsarbeit investieren und mehr Menschen anregen, sich diesen Aktivitäten anzuschließen.“