foto Peter Hilz (C)

Tihange: Konstruktionsfehler im Meiler 3 festgestellt

Im Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich ist im bereits seit einiger Zeit abgeschalteten Meiler 3 ein Konstruktionsfehler entdeckt worden. Nach einer Meldung der Brüsseler Tageszeitung Le Soir, die inzwischen von Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel bestätigt wurde, befinden sich Metallplatten in einem aus Beton gefertigten Gebäude im nicht-nuklearen Teil der Anlage nicht dort, wo sie eigentlich sein sollten.

Nach Problemen mit der Betonkonstruktion im Kernkraftwerk Doel bei Antwerpen wurde bei Unterhaltsarbeiten auch am Meiler Tihange 3 genauer nachgeschaut und siehe da, auch dort liegen Probleme im Betonbereich eines Gebäudes vor. Davon betroffen ist ein bunkerähnlicher Bau im nicht-nuklearen Bereich des Meilers, in dem u.a. die Notfallsysteme untergebracht sind.

Der Meiler Tihange 3 ist bereits seit März wegen Unterhaltsarbeiten abgeschaltet, auch weil man sich um die Betonkonstruktion beugen wollte. Das Problem von Doel war bereits bekannt und als man an einigen Bereichen in Tihange eine Betonschicht entfernt hatte, stellte man fest, dass einige Metallplatten darunter nicht dort angebracht waren, wie es die Konstruktionspläne vorgesehen hatten.

Konstruktionsfehler aus den 1980er Jahren?

Bei Engie Electrabel geht man davon aus, dass sich die metallene Plattenkonstruktion bereits beim Bau in den 1980er Jahren verschoben haben könnte, als der Beton darüber gegossen wurde. Seither ist dieser Fehler nicht bemerkt worden. Engie Electrabel-Sprecherin Anne-Sophie Hugé sagte dazu: „Wir führen jetzt Untersuchungen durch, um herauszufinden, was die Folgen davon sein können.“

Geplant war ursprünglich, den Meiler Tihange 3 im September wieder hochzufahren und ans Netz zu nehmen, doch ob das so klappen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Die Frage ist jetzt auch, ob sich weitere Fehler an anderer Stelle finden lassen, die zur gleichen Zeit gebaut und in Beton gegossen worden.

Sensibler Sicherheitsbereich

Derzeit beugen sich Ingenieure und Statiker über die Frage, wie sicher diese Stahlbeton-Konstruktionen in der Anlage wirklich (noch) sind. Gerade der Bereich, der in Tihange betroffen ist, ein Bunker, in dem sich die Notfalltechnik befindet und der eigentlich Extremsituationen standhalten sollte, ist ja logischerweise besonders sensibel.

Le Soir schreibt dazu, dass die Anlage erst wieder hochgefahren werden darf, wenn Betreiber Engie Electrabel beweisen kann, dass die Stabilität der Betonkonstruktion in jeder möglichen Situation standhält. Darauf besteht, so Le Soir, die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC.