Belgische Zeitungen sind sich sicher: “So ein kollektiver Rausch ist heilsam”

Woran sollten Sie sich nach einem so wunderbaren WM-Spiel erinnern? Die Kommentare der Zeitungen reichen von Unglauben über Chauvinismus bis hin zur Relativierung. "Nein, auch nach diesem Spiel des Jahrhunderts wurde Belgien nicht plötzlich ein überzeugter Nationalstaat, weil es die Fahnen rot färbte.“ Allerdings sind sich alle einig, dass Sportgeschichte geschrieben wurde.

„Het Laatste Nieuws“ und „Het Belang van Limburg“ – zwei Zeitungen konkurrierender Mediengruppe – haben es geschafft völlig identische Titelseiten zu produzieren. „Göttliche Teufel“, lautet die Schlagzeile und auch die Fotos sind dieselben: jubelnde belgische Nationalspieler nach dem 2:1-Sieg gegen Brasilien und ein schreiender Lukaku.

„De Standaard“ kann das noch toppen: „Die Teufel haben Gott geschlagen“, schreibt das Blatt auf Seite eins. Zu sehen ist eine riesige belgische Flagge, mittendrin, ganz klein, der brasilianische Top-Stürmer Neymar.

Die Sportkommentatoren der Zeitungen haben gestern von den ‚Roten Teufeln‘ – der belgischen Nationalmannschaft - „ein perfektes Spiel“ gesehen. Nicht nur die Leistung der Spieler wird allgemein hervorgehoben, sondern auch die Taktik von Nationaltrainer Roberto Martinez. Der hatte nämlich kurzfristig sein Spielsystem umgestellt und dabei auch Schlüsselspieler auf neue, teilweise unerwartete Positionen gesetzt. „Der Plan von Martinez war absolut genial“, so denn auch das einstimmige Urteil der Sportanalysten etwa in „La Dernière Heure“ und „Het Nieuwsblad“. „Heroisch“ titelt die Antwerpener Regionalzeitung, „Heroisch“ heißt es im Boulevardblatt „La Derniere Heure“.

„Die nächste Hürde heißt Frankreich“, bemerken derweil sinngemäß „De Morgen“, „L’Echo“ und „De Tijd“. Das Halbfinale gegen den südlichen Nachbarn steigt am kommenden Dienstag in Sankt Petersburg. Für einige Blätter ist das aber offensichtlich auch nur eine weitere Etappe. „Wir können diese WM gewinnen, glaubt „Het Nieuwsblad“, und titelt: „Es bleiben noch zwei Spiele“.

Nach dem Schlusspfiff in Kasan brachen in Belgien jedenfalls alle Dämme. „Was für ein Spiel, was für ein Fest“, freut sich etwa Het Laatste Nieuws. „Belgien im Freudentaumel“, schreibt „La Dernière Heure“. „Bekloppt! Bekloppt! Bekloppt!“, meint „Het Nieuwsblad“. „Gazet van Antwerpen“ hat ihrerseits einen „Samba Belgica“ beobachtet. „Der Samba war rot“, schreibt auch „De Morgen.“ Apropos Samba: Den Brasilianern war natürlich so gar nicht zum Feiern zumute. „Der Samba wird zum Trauermarsch“, so formuliert es „Het Laatste Nieuws“. Dennoch: Das Land steht Kopf. Vor den unzähligen Großbildschirmen feierten Hunderttausende den Einzug ins Halbfinale. „Und das von Molenbeek bis Werchter“, bemerkt „De Standaard“. (Quelle: brf)