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Der Trainer, der Belgien unschlagbar machte: Die Geheimwaffe ist die Führung von Martinez

Ob Belgien nun Weltmeister wird oder nicht, der Spanier Martinez hat es geschafft, dass die Roten Teufel bis zur letzten Sekunde an sich glauben und kämpfen. Aber wie hat er das gemacht? "Im Sport ist das Wörtchen ‘Danke‘ oft weit weg, aber Martinez bedankt sich respektvoll bei jedem, der sich einbringt.“

Als der 44-jährige Martinez vor zwei Jahren in die Fußstapfen von Marc Wilmots trat, zuckte man mit den Augenbrauen. Bei nicht Fußball-Fans hieß es "Roberto,  wer?" Experten stellten sich wiederum Fragen zu seiner begrenzten Erfahrung. Martinez war einige Monate zuvor als Trainer von Everton in der englischen Ersten Liga entlassen worden. Er trainierte den Verein noch nicht einmal drei Saisons und wurde anfänglich für sein offensives Vorgehen gepriesen. Doch als die Ergebnisse den Erwartungen hinterherhinkten, kehrten ihm die Fans den Rücken.

Er kann theoretische Lösungen in Aktionen verwandeln

Der Vizepräsident des Fußballbundes, Bart Verhaeghe, wagte dennoch einen Versuch. Er hatte Gespräche mit Martinez geführt und war schnell von dessen Vision überzeugt. “Er ist jemand, der sehr intelligent ist und der sehr analytisch vorgeht”, so Verhaeghe. “Zahlen und Fakten sind für ihn wichtig. Er beobachtet, schaut, liest, zählt, sieht sich an, wie alles funktioniert und kommt zu einem Ergebnis. Es gelingt ihm aber auch – und darin liegt häufig die Schwierigkeit – diese Lösungen in konkrete Aktionen umzusetzen.“

Martinez hält Statistiken für enorm wichtig. Er hatte deshalb schon vor der WM das niederländische Statistikbüro SciSports damit beauftragt, Daten zu Spielern, taktischen Mustern etc. zu besorgen.

Ein moderner Manager

Verhaeghe sieht Martinez auch als einen modernen Manager, jemand, der ein Team um sich versammeln und führen kann. “Er kann mehrere Dinge gleichzeitig anstoßen und Aufgaben delegieren. Die anderen übernehmen dann die Details. Er überträgt ihnen Verantwortung  und lässt ihnen in ihrem Bereich freie Hand. Natürlich begleitet und kontrolliert er das auch, aber er flößt Vertrauen ein und strahlt auch Vertrauen aus. Seine Leute würden für ihn alles machen.”

"Fußball ist eine derart komplexe Materie geworden, dass Teamwork besonders wichtig ist und dass man nur so stark ist, wie das schwächste Glied  in der Kette. Und er ist der gigantisch gute Motivator, der die Mannschaft in die richtige Richtung steuert."

Nur das Team zählt

Der Sportpsychologe Jef Brouwers, der den Trainer der Fußballnationalmannschaft in psychologischen Fragen begleitet, spricht von einem “Businessmanager”. “Er beherrscht alle Einzelheiten. Er weiß genau, dass die Jungens, die auf dem Feld sind, ihren Job machen, aber gleichzeitig kann er sie davon überzeugen, dass man nichts alleine schaffen kann. Sehen Sie sich nur das letzte Tor gegen Japan an. Es gibt mehrere Spieler, die nur an ihren eigenen Erfolg denken könnten, das aber nicht machen. Da ist Teamarbeit im Spiel."