Nach der Niederlage von St. Petersburg: Presse in Katerstimmung

Belgiens „Rote Teufel“ haben ihr WM-Halbfinale gegen Frankreich mit 0:1 verloren. Natürlich sind Fans und Zeitungen am Morgen danach sehr enttäuscht. Die Niederlage im Halbfinale gegen Frankreich schmeckt bitter, aber es gibt auch viel Stolz, Freude und Dankbarkeit für das, was die National-Elf im vergangenen Monat geleistet hat. Auf und neben dem Feld.

Het Nieuwsblad: „Merde“ (dt.: Scheiße)

Mit dieser überdeutlichen Schlagzeile fasst „Het Nieuwsblad“ das Gefühl kurz nach dem Abpfiff treffend zusammen. Es durfte leider nicht sein. Kein Delirium, keine Party die ganze Nacht und ein anderer Kater, als wir wahrscheinlich erhofft hatten. Und doch ist es für eine kleine Fußballnation wie Belgien kein Grund, sich für eine Niederlage im Halbfinale der Weltmeisterschaft zu schämen. Auf den Seiten 2 und 3 bedankt sich die Zeitung bei allen „Roten Teufeln“ seitenweit mit jeweils einem „Merci". „Teufelmal Danke".

„Die Hoffnung war real, sie war begründet und sie war kollektiv", schreibt Leitartiklerin Liesbeth Van Impe. „Was ist positiver Nationalismus anders als zusammen zu jubeln, zusammen zu weinen, zusammen zu tanzen? Als Flame, Belgier, Marokkaner. Wir haben das alles gemeinsam gemacht, auch ernüchtert das Feld räumen. Das ist eine Gemeinschaft. Machen Sie nie mehr daraus, als es ist, aber auch nicht weniger.“ Und auch ein Wort des Dankes: „Vergebt uns, dass wir uns die Zeit genommen haben, die Enttäuschung runterzuschlucken. Aber wir schaffen das. Und ihr verdient ein fettes Dankeschön. Für euer Spiel, für die Spannung, für die Positivität.“

De Standaard: „C’est fini, maar merci“ (dt.: Es ist vorbei, aber Danke)

Enttäuschung auch auf der Titelseite von De Standaard. „Es ist ein Allgemeinplatz, dass Fußball ungerecht sein kann, aber das macht es nicht leichter, die Niederlage zu schlucken. (....) Jedenfalls beansprucht dieses Belgien einen Platz in der Liste der schönsten und bedauerlichsten Verlierer in der Geschichte der Weltmeisterschaft. Die Roten Teufel hatten sich dieses Finale, vielleicht sogar diesen Titel, auf der Grundlage eines großartigen Turniers verdient, aber es ist die Spannung der Spiele, bei denen alles von einem kleinen Detail abhängen kann, die den Fußball so schön macht. Und manchmal so traurig.“

„Die Mission der Roten Teufel war es, die Menschen zum Träumen zu bringen. Sie taten dies mit einem Flair, das für immer ihr Verdienst bleiben wird", schreibt Leitartikler Bart Sturtewagen. "Sie haben die Stärke von Vertrauen, Teamgeist und Tatkraft bewiesen. Auch nach dem gestrigen Abend kann niemand behaupten, dass es sich nicht lohnt, zumindest zu versuchen, der Beste zu sein, auch wenn dieses Ziel noch weit entfernt scheint. Es ist eine Botschaft, die auch auf Straßen und Plätzen gehört wurde.(…) Wir müssen hoffen, dass diese Botschaft nicht einfach so verschwindet."

De Morgen: „Merci Teufel“

„Kleines Finale, aber eine große Generation“, lesen wir auf der Titelseite von De Morgen. Die Schlacht von St. Petersburg ist verloren, aber es kann nicht die Rede von einer heroischen Niederlage. Der Sportjournalist Hans Vandeweghe steckt seine Bewunderung für Nationaltrainer Roberto Martinez nicht weg: „Ich weiß genug über den Sport, um die Bedeutung von Martinez für diese Mannschaft und damit auf das Sportland Belgien einschätzen zu können. Zu mir sagte er einmal, als wir über den belgischen Nationalcharakter sprachen: "Ich kann dir nicht beibringen zu träumen, du musst träumen wollen". Er hat es uns trotzdem beigebracht: Träumen.“

Het Laatste Nieuws: „Traurig, aber stolz“

Auf der Titelseite von Het Laatste Nieuws Thibaut Courtois und Kevin De Bruyne, die mit ihren kleinen Kindern auf dem Arm ihre Enttäuschung runterschlucken. Auf den nächsten Seiten: Nagelkauende, traurige und geschlagene Anhängern. Und die Botschaft: „Wir gewinnen und verlieren tous ensemble (dt.: alles zusammen)".

Gazet Van Antwerpen: „Und trotzdem stolz“

Roberto Martinez, der Eden Hazart fest umarmt, dieses Bild ist auf der Titelseite der Antwerpener Regionalzeitung Gazet Van Antwerpen zu sehen. Auf den nächsten Seiten: Bilder der Hoffnung, Spannung und Enttäuschung der Fans, die das Spiel auf der Großleinwand des Dageraad-Platzes in Antwerpen verfolgten.

Het Belang van Limburg: "Respekt, Teufel"

Torhüter Thibaut Courtois und seine Tochter Adriana auf dem Arm auf der Titelseite der limburgischen Regionalzeitung Het Belang Van Limburg. "Leider, leider! Es durfte nicht sein", schreibt Chefredakteurin Indra Dewitte. „Diese Jungs haben sich Respekt verschafft, nicht nur in ihrem eigenen Land, sondern auf der ganzen Welt. Unsere Teufel haben dieser Weltmeisterschaft auch Farbe verliehen. Dass sie nicht den faulen Weg wählten, ziert sie und ließ sie über sich selbst hinauswachsen. Unsere Jungs waren Helden. Niemand kann das relativieren. Wir haben auf der ganzen Welt bereits den Preis der Sympathie einkassiert. Danke für diese fantastische Weltmeisterschaft!“

Französischsprachige Presse: „Kollektive, unvergessliche Emotionen“

Auch die französischsprachigen Zeitungen erinnern sich vor allem an die brillante Leistung der Roten Teufel während dieser Weltmeisterschaft. „Einen Monat haben die Teufel Belgien beben lassen und das ganze Land ins Schlepptau genommen", schreibt La Libre. "Roberto Martinez erwies sich als absoluter Meistertaktiker. Die Dominanz der Roten Teufel gegen Brasilien im Viertelfinale wird für viele eine unvergessliche Erinnerung bleiben. Wir sehen uns wieder in vier Jahren".

„Ausnahmsweise einmal haben wir all unsere Alltagssorgen vergessen, um ein paar Tage kollektive und ansteckende Emotionen zu erleben, die uns sonst in der Regel fehlen", findet Le Soir. „Belgien ist zu einer ernstzunehmenden Größe im Weltfußball geworden.“

Der Nationalmannschaft ist es gelungen, unsere Grundwerte weltweit zu promoten, so die Botschaft von Sudpresse. "Teilen, Solidarität, Großzügigkeit, Humor, Zusammenleben, über die Grenzen von Herkunft und Religion hinaus".

Die Spieler haben gezeigt, dass Belgien eine echte Nation ist, heißt es auch in La Dernière Heure.

Die Roten Teufel dürfen laut RTBF die Weltmeisterschaft mit erhobenem Haupt verlassen. „Makellos in der Gruppenphase, beeindruckend im Achtelfinale gegen Japan, heldenhaft gegen Brasilien. Sie haben uns unvergessliche Emotionen geschenkt.“