128 Soldaten aus dem 1. Weltkrieg ausgegraben

Bei archäologischen Ausgrabungen in Wijtschate (Westflandern) sind die menschlichen Überreste von 128 Soldaten gefunden worden. Es handelt sich vor allem um Franzosen, Deutsche und Briten. Die Ausgrabungen fanden auf dem „Hill 80“ (dt.: „Höhe 80“) statt. Das ist ein einst wichtiges deutsches Bollwerk aus dem 1. Weltkrieg.

Die Stellung "Hill 80" war während des 1. Weltkriegs strategisch sehr wichtig. Dort standen Gebäude eines Müllerbetriebes, der durch die Deutschen zu einem Bollwerk ausgebaut wurde. Doch bevor die Deutschen sich dort festigten, war der Ort 1914 in französischem Besitz. Und gegen Ende des Krieges kamen die Briten. Das erklärt den Fund: Opfer aus den drei Ländern, Deutschland, Frankreich und Großbritannien, darunter auch eine Person aus Südafrika.

Ob die Opfer vollständig identifiziert werden können, wird sich noch herausstellen müssen. Doch selbst wenn sie anonym bleiben sollten, wird für sie ein Begräbnis ausgerichtet werden.

Gigantische hohe Zahl menschlicher Überreste

Das Gelände um "Höhe 80" muss einem Neubaugebiet weichen. Die Archäologen hatten am 16. März mit den Ausgrabungen begonnen. Heute, vier Monate später, sind bereits die Überreste von 128 Personen ausgegraben worden. "Das ist eine gigantisch hohe Zahl für solch eine Oberfläche", sagt der Archäologe Simon Verdegem. 

Außer den Opfern sind auch noch verschiedene Gegenstände gefunden worden. Granaten wurden vom Antiminendienst vorsichtig entschärft und weggebracht. Auch zahlreiche Gegenstände, die die Soldaten in den Schützengräben zurückgeließen, sind ausgegraben worden, darunter auffallend viele Trinkflaschen. Das ist ungewöhnlich, denn wer den Schützengraben verlässt, nimmt normalerweise seine Waffe und auf jeden Fall auch seine Trinkflasche mit. Dass so viel zurückgelassen wurde, beweist, dass die Soldaten schnell flüchten mussten.

Außerdem wurde Hausrat wie Teller, Löffel, Messer und Gabel und eine kleine gläserne Marienstatue gefunden.

Zwar muss das Gelände nach den Bauferien tatsächlich einem Neubaugebiet weichen, doch wurde während der Ausgrabungen viel Fotomaterial gesammelt. Später soll eine 3D-Projektion daraus gemacht werden. Man wird das Gelände also als Tourist mit einer Virtual Reality-Brille besuchen können. Damit geht Hill 80 nicht ganz verloren.