Russische Trolle mischten sich über Twitter in Debatten in Belgien und den Niederlanden ein

Russische Internet-Trolle haben über Twitter versucht, die öffentliche Debatte in den Niederlanden und Belgien zu beeinflussen. Das geht aus einer Untersuchung der niederländischen Zeitung NRC hervor. Dabei wurden rund 200.000 Tweets von der berühmt berüchtigten russischen “Internet Research Agency" unter die Lupe genommen. Die Agentur, eine Art "Troll-Fabrik", wird in Zusammenhang mit den Ermittlungen zur russischen Einmischung in den US-Wahlkampf gebracht.  

Trolle bezeichnet man im Netzjargon eine Person, die häufig unter falschem Namen, die Kommunikation im Internet konstant und auf destruktive Weise behindert, beeinflusst oder manipuliert. Ziel ist, eine Spaltung herbeizuführen oder zum Beispiel Einfluss auf das Ergebnis von Wahlen zu nehmen. In den Ermittlungen nach der russischen Beeinflussung der US-Wahlen rückte die "Internet Research Agency", eine "Troll-Fabrik" in Sankt Petersburg in den Mittelpunkt. Obwohl  Twitter die Accounts und sämtliche Tweets aus dem Netz entfernt hat, konnte NRC einen Teil der Aktivitäten der russischen Trolle rekonstruieren, indem die Zeitung zwei Archive von Tweets kombinierte.

Es begann mit den Anschlägen vom 22. März 2016 in Zaventem und Brüssel. Das sei laut NRC das erste Mal gewesen, dass die Trolle in großer Zahl auf Niederländisch aktiv wurden. Auf Twitter wurden Sätze auf Niederländisch kopiert - auch die Sprachfehler - und fast immer wurde das niederländische Original mit neuen islamkritischen Hashtags wie #IslamKills versehen.

Die russischen Trolle mischten sich in den Monaten nach den Anschlägen in die "culture wars" in den Niederlanden durch Retweets ein. Die Retweets enthielten zahllose Berichte über "eine durch Islamisierung bedrohte Kultur“, schreibt die Zeitung. So fand die PVV von Geert Wilders über die Retweets jede Menge Unterstützung. Mehrmals wurde im Hinblick auf die Parlamentswahlen in den Niederlanden direkt zur Wahl der PVV aufgerufen. Auch vor rassistischen Tweets schreckte man nicht zurück.

2016 und 2017 haben die russischen Trolle mindestens 940 niederländischsprachige Tweets verschickt, schreibt die NRC. Beispiele russischer Einmischung in die öffentliche Debatte in den Niederlanden und Belgien waren bis dato eher selten.