Facebook zensiert Gemälde flämischer Meister: Museen wenden sich mit öffentlichem Brief an Zuckerberg

Viele flämische Maler stellen in ihren Bildern füllige, nackte Personen aus der Geschichte und der Mythologie dar. Man denke nur an den berühmten Rubens. Doch Facebook hat offenbar ein Problem damit. Alles Mögliche wird auf Facebook veröffentlicht, doch nackt im Netz geht nicht, selbst dann nicht, wenn es sich um Kunst handelt. Das Tourismusamt Flandern findet, dass das zu weit gehe und verlangt in einem öffentlichen Brief von Facebook, dass das Unternehmen seine Politik ändere.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook Kunst, die nackte Figuren zeigt, versucht, zu blockieren. Vor kurzem war das noch der Fall bei der Venus von Willendorf, eine rund 11 cm große und knapp 30.000 Jahre alte Venusfigurine aus dem Gravettien - ein Fruchtbarkeitssymbol.  

Doch auch mehrere flämische Museen bekommen derzeit zu spüren, dass einige Jahrhunderte alte Kunstwerke von Facebook nicht toleriert werden. So wurde auch die Kreuzabnahme des Malers Peter Paul Rubens, ein in den Jahren 1600 bis 1602 entstandenes Ölgemälde, von Facebook entfernt. Und das, weil Christus, bis auf sein Lendentuch, ohne Kleider abgebildet wird.

Die Zensur ist dem flämischen Fremdenverkehrsamt ein Dorn im Auge, denn mit  ihrem "Projekt Flämischer Meister" hoffen die Museen, bis 2020 rund 3 Millionen Kunstliebhaber nach Flandern zu locken. Werbekampagnen für Rubens, Bruegel oder van Eyck auf Facebook gestalten sich aber offenbar sehr schwierig. Mit einem an diesem Sonntag angelaufenen außergewöhnlichen Kampagnefilm kritisiert das flämische Fremdenverkehrsamt nun die Facebookpolitik.

Der Film zeigt, wie Menschen von Sicherheitsbeamten aus dem Rubenshaus in Antwerpen geworfen werden, weil sie sich Gemälde mit nackten Körpern ansehen. Nur Menschen, die kein Facebookaccount haben, dürfen sich die Bilder in Ruhe weiter ansehen. 

Sehen Sie nachfolgend das Video!

Laden Video-Player ...

Ein öffentlicher Brief an Herrn Zuckerberg

Außer dem Film wird auch noch ein öffentlicher Brief an Mark Zuckerberg gesandt. Merhrere Kultureinrichtungen bitten den Facebook-Chef in dem Brief, nackte Figuren in der Kunst nicht länger auf Facebook zu blockieren. "Die meisten flämischen Museen haben den Brief bereits unterschrieben", sagt Peter De Wilde von Toursimus Flandern. "Wir werben nun auch international (für eine Änderung der Politik von Facebook, Red.!). Fast alle Museen, die wir angesprochen haben, schließen sich uns bereitwillig an."

Lesen Sie bitte unter dem Brief und Foto weiter!

Die Zensur, die Faccebook für solche Kunstwerke vornimmt, zeugt vor allem von wenig Wissen

Auch Ben Van Beneden, der Direktor des Rubenshauses, findet die heutige Facebookpolitik unangebracht. "Es handelt sich hier um Zensur großer Symbole der westlichen Kunst. Und das zeugt vor allem von wenig Wissen. Seit der Kunst der Antike - denken Sie an die Römer oder die Ägypter - ist nackt aus der Kunst nicht mehr wegzudenken. Auch während der Renaissance und dem Barock nicht: Diese Epochen sind durch nackte Götter, Göttinnen und mythische Figuren gekennzeichnet."

Bei Tourismus Flandern unterstreichen sie auch noch, dass es ihnen nicht nur um den Tourismus gehe:  "Wenn wir unsere westliche Kunst nicht mehr zeigen können, wie sie ist und wenn wir diese nicht mehr mit dem Rest der Welt teilen können, dann ist das besonders traurig," so der CEO Peter De Wilde. Wenn es keinen Respekt mehr vor der künstlerischen Freiheit gibt und die Art, mit der wir die letzten fünf Jahrhunderte mit der Abbildung menschlicher Körper umgegangen sind, ist es höchste Zeit, Alarm zu schlagen."