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Schnelles Internet: Flandern kann auf dritten Anbieter verzichten

Die flämische Landesregierung verzichtet auf einen neuen Mobilfunk-Anbieter für die Einführung eines dritten und „superschnellen“ Internet-Systems. Stattdessen einigte man sich gemeinsam mit den beiden vorhandenen Anbietern Proximus und Telenet auf eine Ausweitung von deren Systemen.

Proximus und Telenet haben sich mit Flanderns Landeswirtschaftsminister Philippe Myuters (N-VA) darauf einigen können, gemeinsam ein „superschnelles“ Internet auszurollen. Damit gingen die beiden Telekomanbieter auf dessen Forderung ein, denn ansonsten hätte die Landesregierung nach einem dritten Anbieter Ausschau gehalten und damit einen Konkurrenten ins Boot geholt.

Muyters verlangt von den Telekomanbietern einige Bedingungen: eine höhere Kapazität auf deren Netzwerken und ein für andere Mitbewerber offenes Netz mit fairen Preisen. Und nicht zuletzt, dass der Deckungsgrad in ganz Flandern ausreichen muss.

Der Minister saß hier am längeren Hebel, denn er hatte mit dem Unternehmen Fluvius, ein Fusionsunternehmen der Vertriebsnetzbetreiber Eandis und Infrax, einen Anbieter an der Angel, der Proximus und Telenet als dritter Anbieter am Internetmarkt in Flandern hätte gefährlich werden können. Fluvius kündigte erst letzte Woche an, ein neues Glasfasernetz legen zu wollen, woraufhin die Proximus-Aktie einen Kursverlust von 4,7 % hinnehmen musste…

So weit kommt es dann doch nicht

Jetzt aber lassen sich Proximus und Telenet auf einen Deal mit der Landesregierung ein und Flandern wird die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, damit die gemeinsamen Ziele auch erreicht werden können. „Ich freue mich darüber, dass wir uns mit dem privaten Markt einigen konnten, um unsere gesteckten Ziele erreichen zu können.“, so Wirtschaftsminister Muyters, der weiter anführte: „Gemeinsam können wir ein Wirtschaftssystem auf die Beine stellen, in dem wir innovative Anwendungen für Wirtschaft und Privathaushalte anbieten können.“

Kein drittes Internetnetzwerk aber doch ein vierter Anbieter?

Ein drittes festes Internet-Netz wird es also in Flandern (vorläufig?) nicht geben. Das bedeutet aber noch nicht, dass nicht auch ein weiterer Mitspieler auf dem flämischen Telekommarkt aktiv werden wird. Derzeit sind hier, wie auch im Rest Belgiens, drei Anbieter am Markt: Proximus, Orange und Telenet/Base.

Doch Belgiens Telekommunikationsminister Alexander De Croo (Open VLD) will nach der Versteigerung eines Teils des mobilen Spektrums im kommenden Jahr Raum für einen vierten Anbieter schaffen. Er erhofft sich dadurch mehr Wettbewerb und günstigere Preise für die Verbraucher.

Entsprechende Studien und auch Erhebungen der hiesigen Kontroll- und Kartellbehörden gehen ebenfalls in diese Richtung. Davon werden auch die Länder und Regionen in Belgien profitieren, wenn es denn klappt. Und Flandern könnte dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen…

Indessen arbeitet die Region Brüssel-Hauptstadt emsig daran, innerhalb Belgiens zu einem Pionier in Sachen 5G-Netz werden zu können.