Christliche Gewerkschaft plant Aktionen gegen die Reform der Krankheitsregelung für Beamte

Die Christliche Gewerkschaft ACV will im September mit verschiedenen Aktionen gegen die Reform der Krankheitsregelung für Beamte in Belgien vorgehen. Möglicherweise schließen sich auch andere Gewerkschaften entsprechenden Aktionen an. Die Arbeitnehmervertreter bezeichnen den Vorgang als „Angriff auf den Beamtenapparat“.

Fest ernannte Beamte haben in Belgien pro Jahr Anrecht auf 21 Krankheitstage, bei denen sie in vollem Umfang weiter bezahlt werden. Wenn sie allerdings das ganze Jahr gesund bleiben, bzw. keinen dieser Krankheitstage in Anspruch nehmen, können sie diese 21 Tage als Zeitkredit mitnehmen. Wer in einem Zeitraum von 20 Jahren rund 200 Krankheitstage „gespart“ hat, der hat Recht auf 200 Tage Abwesenheit bei voller Bezahlung… 

Vorgehensweise abgeschafft

Diese Regelung hat die belgische Bundesregierung in ihren gerade geschlossenen „Sommerabkommen“ abgeschafft. Dies auch mit dem Argument, dass viele Beamte Krankheitstage bis zum Laufbahnende aufsparen, um schlicht und einfach früher in Rente gehen zu können. Bisher gesparte Krankheitstage werden dabei nicht angerührt, doch so, wie bisher, wird die Sache nicht mehr gehandhabt. In Zukunft werden erkrankten Beamten nach einem Monat Krankheit noch 60 % des vollen Gehalts gezahlt.

Marc Saenen von der Christlichen Beamtengewerkschaft ACV Öffentliche Dienstleistungen wirft der Regierung jetzt vor, bei den Kranken zu sparen. Das Beamte Krankheitstage bis zur Rente sparen, habe es vielleicht früher einmal gegeben, so Saenen, doch heute würden Beamte statistisch gesehen weniger „krankfeiern“, als ihre nicht verbeamteten Kollegen mit Arbeitsverträgen.

„Das ist kein Argument“

Mit der Regelung, dass Beamte nur noch im ersten Krankheitsmonat voll bezahlt werden, passt die Regierung ihre Vorgehensweise an die für Vertragsangestellte und für die Beschäftigten in der Privatwirtschaft an. Doch das akzeptiert die ACV nicht. „Der Privatsektor hat zusätzliche Versicherungen abgeschlossen. Viele Unternehmen haben Sektor-gebundene Abkommen vereinbart, damit ihren Arbeitnehmern das Gehalt durchbezahlt werden kann. Wer z.B. bei einer Bank arbeitet, fällt nach einem Krankheitsmonat nicht auf einen geringeren Lohn zurück. Das ist also kein Argument.“, so Saenen gegenüber VRT NWS.

„Heißer Herbst?“

Die ACV plant im September Streiks oder eine Demonstration. Möglicherweise schließen sich dem auch die liberale Gewerkschaft ACLVB und die sozialistische Gewerkschaft ACOD an, denn auch hier regt sich Unmut gegen die Reform. Und am 2. Oktober, knapp zwei Wochen vor den Kommunalwahlen in Belgien, droht ein großer Aktionstag aller Gewerkschaften gemeinsam gegen die Rentenreform der belgischen Mitte-Rechts-Regierung. Schon jetzt aber heißt es aus Regierungskreisen, dass man an allen Reformen festhalte.