Klima-Experte: "Ziele des Pariser Klimaabkommens umsetzen, um noch größere Kosten zu vermeiden"

Wir sollten uns über die anhaltende Hitze Sorgen machen, sagt der Klima-Experte Jos Delbeke. Die Hitzewelle beschränkt sich nicht auf Europa, sondern sucht große Teile der Nordhalbkugel heim. An der Ursache könne wohl nicht länger gezweifelt werden, so Delbeke.

„Das ist dem allgemeinen Klimawandel zuzuschreiben”, sagt Jos Delbeke in "Terzake". "Der macht sich auf verschiedene Weise in der Welt bemerkbar." Delbeke verweist auf Algerien, wo am Freitag eine Rekordtemperatur von 51 Grad gemessen wurde. In Teilen Afrikas schlägt sich die Erderwärmung in Verwüstungen nieder. Dadurch verlieren Menschen ihre Einkommensquellen und müssen umsiedeln. "Ein Teil der Migrationsströme ist dem Klimawandel zuzuschreiben", so Delbeke.

 

Wir haben die Erderwärmung verursacht, also müssen wir mehr tun, um unsere Emissionen zu drosseln

Im reichen Westen verfügen wir noch über genug Mittel, um uns gegen die Erderwärmung zu schützen. "Aber wo bereits ein totaler Wassermangel herrscht, hat die Bevölkerung vor Ort ein Problem", warnt Jos Delbeke.

Er weist daraufhin, dass wir nun nicht mehr weit von einer globalen Erderwärmung von 1,5 Grad entfernt sind. Das sei gefährlich nahe an der Grenze des im Übereinkommen von Paris vereinbarten Zwei-Grad-Ziels. Für die Politik sei es höchste Zeit, einen Zahn zuzulegen.

Mit dem Pariser Klimaschutzübereinkommen hatten die Vertragsparteien vereinbart, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf "deutlich unter" 2 Grad Celsius (°C) gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten. Zusätzlich sollten Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg möglichst "auf 1,5°C" zu begrenzen.

"Das CO2, das schon jetzt in der Luft ist, breitet sich aus. Wir müssen der Zukunft voraus sein", betont Delbeke. "Wir haben die Erderwärmung verursacht, also müssen wir auch mehr tun, um unsere Emissionen zu drosseln."

Jeder Bürger könne etwas tun, doch auch die Politik könnte besser gestaltet werden, findet Jos Delbeke. Er hält die jüngsten flämischen Klimamaßahmen für zweideutig. "Der Betonstopp soll erst 2040 kommen, aber was machen wir bis dahin? Viele Energiemaßnahmen könnten schneller umgesetzt werden, aber wir haben eher die Neigung, sie zu verzögern." Seine Botschaft? "Das Durchsetzungsvermögen erhöhen."

Doch einige Lichtpunkte seien am Ende des Tunnels zu sehen, meint Delbeke: "Wir sind dabei mehrere neue Technologien zu entdecken und zu realisieren, dass wir diese brauchen werden, um den Klimawandel abzuschwächen. Das ist die Hoffnung für die Zukunft.“

Für Delbeke seien die Ziele des Pariser Abkommens grundlegend, sonst würden die Kosten für uns und viele arme Länder in der Welt enorm groß.