Arbeitskampf bei Ryanair: Peeters ruft zum Dialog auf

Belgiens Wirtschafts- und Arbeitsminister Kris Peeters (CD&V) will die umstrittenen Warnschreiben, die die irische Billigflug-Gesellschaft Ryanair an ihre streikenden Mitarbeiter geschickt hat, prüfen lassen. Peeters will wissen, ob die Drohungen von Ryanair gegen ihre Mitarbeiter einen Angriff auf das Streikrecht der darstellen und ob sie gegen geltendes belgisches Recht verstoßen.

Peeters hatte Ryanair-Chef Michael O’Leary brieflich dazu aufgefordert, den Arbeitskampf zwischen ihm und seinen Mitarbeitern aus Belgien nicht eskalieren zu lassen und riet ihm dazu, sich auf einen konstruktiven Dialog einzulassen. Ryanair hatte den streikenden Mitarbeitern damit gedroht, sie abzumahnen, ihnen Aufstiegsmöglichkeiten unmöglich zu machen und Bonuszahlungen zu verweigern und zwar wegen „unerlaubten Fehlens am Arbeitsplatz.“

Mit diesem Schreiben, so Arbeitsrechtler in Belgien, begebe sich O’Leary auf Glatteis, denn es betreffe sowohl belgisches Arbeitsrecht, als auch internationale Konventionen. Und es mache den Ryanair-Chef international angreifbar. Nicht zuletzt hatte die EU-Kommission unlängst noch daran erinnert, dass das Streikrecht ein fundamentales Recht für Arbeitnehmer sei. 

Überall regt sich Unmut

Die Low-Cost-Airline hatte nach den Streiks von Mitarbeitern des Kabinenpersonals an den Standorten Belgien, Portugal, Spanien und Italien letzte Woche mehrere hundert Flüge absagen müssen. Davon waren rund 50.000 Reisende betroffen. In Belgien beschäftigt Ryanair rund 700 Mitarbeiter.

Viele Ryanair-Mitarbeiter fordern derzeit bessere Arbeitsbedingungen, eine höhere Bezahlung und auch, dass sie arbeitsrechtlich unter ihr Heimatland fallen und nicht mehr unter irisches Recht, wo die Fluggesellschaft ihren Sitz hat. Dagegen sind bereits mehrmals Betroffene in ihren Heimatländern vor Gericht gegangen, allerdings mit recht unterschiedlichen Resultaten.

Übrigens, Ryanair-Chef Michael O’Leary droht weiteres Ungemach. Nach den 48-Stundenstreiks in Belgien, Spanien, Portugal und Italien drohen jetzt auch die Kollegen in den Niederlanden und in Irland selbst mit Streik. Nicht zuletzt haben vor einigen Tagen über 90 % der deutschen Ryanair-Piloten in einer Urabstimmung für Streik gestimmt.