König Baudouin verstarb vor genau 25 Jahren

Die Meldung traf die Belgier unvorbereitet. Am Abend des 31. Juli 1993 war König Baudouin an seinem Urlaubsort Motril in Südspanien im Alter von 63 Jahren an einem Herzanfall gestorben. Erst am frühen Morgen des 1. August erreichte die Meldung die Menschen in seinem Heimatland. Die staatlichen Rundfunkanstalten warteten damals mit Sondersendungen auf.

Die Nachricht vom Tode des Königs traf Belgien unerwartet und quasi mitten in der Urlaubszeit. Die Mitglieder der damaligen Regierung waren entweder in die Ferien gefahren oder nicht sofort erreichbar und so brauchte es damals eine gewisse Zeit, bis offiziell reagiert werden konnte. Als die Nachricht der Öffentlichkeit bekannt wurde, fiel unser Land in eine Art Schockzustand.

Nur wenige Tage zuvor, am Nationalfeiertag, hatten die Belgier ihren König noch erleben können und nichts hatte darauf hingewiesen, dass etwas nicht mit ihm stimmen könnte. Allerdings hatte sich König Baudouin noch 1991 einer Operation am offenen Herzen unterziehen müssen, doch damit schienen seine gesundheitlichen Probleme gelöst gewesen zu sein….

42 Jahre König der Belgier

42 Jahre lang war König Baudouin Belgiens Monarch gewesen. Mit nur 20 Jahren hatte er am 17. Juli 1953 seinen Eid auf die Verfassung gegeben (Foto unten). Schon ein Jahr zuvor wurde dem jungen Mann der Titel „Königlicher Prinz“ verliehen, ein Titel, den in Belgien einem „Prinz-Regenten“ verliehen wird. Das war auch bereits der Fall in den Jahren 1944 bis 1950, als Prinz Karl die Regierungsgeschäfte seines Bruders, König Leopold III., übernehmen musste, als dieser wegen seines Verhaltens gegenüber dem Dritten Reich in Ungnade gefallen war. Dies führte auch dazu, dass letztendlich dessen Sohn, Prinz Baudouin, gekrönt wurde. Die Königsfrage hatte damals fast das Land gespalten…

König Baudouin musste als junger und unerfahrener Monarch in einem Land die Regentschaft übernehmen, das sich gerade eben durch die Königsfrage in einem politischen Chaoszustand befand. Dies ging nicht spurlos an ihm vorbei und viele Zeitgenossen sahen dem jungen Monarchen an, dass er sich dabei zunächst nicht wohlfühlte. Hinter vorgehaltener Hand nannte man ihn deshalb auch jahrelang den „traurigen König“. Doch König Baudouin wuchs mit seinen Aufgaben und er erstarkte weiter, als er Mitte Dezember 1960 die spanische Adelige Doña Fabiola de Mora y Aragón ehelichte.

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Ein „starkes Team“

Mit Königin Fabiola bildete König Baudouin ein „starkes Team“. Die beiden waren bei den Menschen im Lande beliebt und sie waren da, wenn das Volk sie brauchte. Baudouin galt als gerecht und menschlich und er war sogar eine Art Vaterfigur für die Bürger im Lande. Auf der einen Seite hielt er stets ein Plädoyer für die Einheit des Landes, doch auf der anderen Seite verschloss er sich auch nicht der vor allem in Flandern gewünschten Regionalisierung Belgiens.

König Baudouin und Königin Fabiola waren aber auch tiefgläubige Menschen und sie hielten an einigen christlichen Werten streng fest, sehr streng, was auf politischer Ebene einmal zu einem „Kunstgriff“ führte. Als das belgische Bundesparlament im Jahr 1990 ein Gesetz zur Legalisierung der Abtreibung erließ, weigerte sich Baudouin aus einem Gewissenskonflikt heraus, dieses zu unterzeichnen.

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„Regierungsunfähig…“

Die damalige belgische Regierung unter Premierminister Wilfried Martens erklärte den Monarchen deshalb auf dessen Wunsch hin am 4. April 1990 für regentschaftsunfähig. In einem solchen Fall sieht die belgische Verfassung vor, dass die vollzählige Regierung die Funktion des Staatsoberhauptes übernimmt. Nachdem alle Regierungsmitglieder das Abtreibungsgesetz unterzeichnet hatten, erklärte man König Baudouin am 5. April wieder für regentschaftsfähig.

Politisch löste dies ein Erdbeben aus und vor allem die Gegner der Monarchie forderten die Absetzung Baudouins. Doch den Menschen im Land gefiel dieser „Kompromiss à la Belge“ und sie nahmen dies dem König nicht wirklich übel, auch die nicht, die mit Abtreibung kein Problem hatten. Er hatte den „Laden“ Belgien einmal mehr zusammengehalten… 

Ein ganzes Land in Trauer und das Problem der Nachfolge

Hunderttausende Landsleute nahmen an den Beisetzungsfeierlichkeiten für König Baudouin teil und es kamen Staats- und Trauergäste sowie Vertreter von Königshäusern aus der ganzen Welt. Königin Fabiolas weißes Trauerkleid war damals überall in den Schlagzeilen. Doch nach ihrer Glaubensauffassung sollte es nicht schwarz sein an diesem Tage, sondern weiß, also die Farbe der Hoffnung.

Nach seiner Beisetzung musste rein pragmatisch jedoch Baudouins Nachfolge auf dem belgischen Thron geregelt werden. König Baudouin und Königin Fabiola waren kinderlos geblieben und das ganze Land ging davon aus, dass Prinz Philippe, der älteste Sohn von Prinz Albert, Baudouins Bruder, den Thron besteigen würde. Doch es wurde Albert selbst, der als König Albert II. für 20 Jahre die Regentschaft übernahm. Erst als dieser vor 5 Jahren zugunsten seines Sohnes abdankte, kam die Zeit von Philippe, dem heutigen belgischen König.