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Warum dauert eigentlich die Renovierung des Justizpalastes so lange?

Der Justizpalast in Brüssel ist von einem Baugerüst umgeben und das schon seit Jahren: Viele kennen das Gebäude des bekannten Architekten Joseph Poelaert (1817-1879)  gar nicht anders. Und bis 2040 sollen die Renovierungsarbeiten auch noch andauern. Doch warum dauern sie so lange?

Der Justizpalast ist schon seit 30 Jahren eingerüstet. In dieser Woche wurde bekannt, dass die Renovierungsarbeiten noch bis 2040 andauern sollen. Warum das so lange dauert, erklärt der Anwalt und Leiter der Poelaert Stiftung, Dirk Van Gerven, im VRT-Radio. Die Stiftung will dafür sorgen, dass die Justiz ein modernes Gebäude und Interieur bekommt.

“Wir sind schon seit rund zehn Jahren damit beschäftigt, insbesondere die Regierung von dem Projekt zu überzeugen. Anfangs war es das Ziel, einen Großteil der Justiz aus dem Gebäude auszulagern. Doch wir haben dagegen protestiert. Die Regierung hat vor einiger Zeit entschieden, die Justiz dort zu belassen."

Die Stiftung will den Justizpalast gerne "den Menschen, dem Volk” zurückgeben. "Die Registrierungsabteilung befindet sich zum Beispiel in Vorst (Brüsseler Stadtteil, Red.!). Sie könnte in den Justizpalast verlegt werden, so dass die Brüsseler dorthin zurück können." Van Gerven bedauert, dass sich der größte Justizpalast der Welt noch viele Jahre hinter einem Baugerüst verstecken muss. Doch die Verfahren seien nun einmal wie sie sind – langwierig. 

"Verstehen Sie mich richtig: Mit Renovieren meint man die Renovierung der Fassade (nicht die Restaurierung des Inneren) und die braucht 12 bis 13 Jahre, bzw. zwei Jahre pro Fassade. Hierfür muss jedes Mal eine öffentliche Ausschreibung organisiert werden. Diese dauert zwei bis vier Jahre. Also müssen wir schon mal 18 Jahre hinzurechnen. Erst 2040 wird das Gebäude ohne Gerüst zu sehen sein."

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Es fehlt an politischem Willen

Die Arbeiten dauern auch so lange, weil es der größte Justizpalast der Welt ist. Außerdem ist das Gebäude denkmalgeschützt. "Wer den Bau renovieren will, muss das auf eine bestimmte Weise machen. Leider steht das Gebäude in Brüssel und für Brüssel interessiert man sich viel weniger als für Gent oder Antwerpen. Brüssel befindet sich nun mal in einer politisch schwierigen Situation: Sie brauchen Unterstützung von Flandern und Wallonien und das ist nicht genug. Ich befürchte, dass die belgische Regierung weder Geld noch Zeit in das Gebäude stecken will. Wir brauchen einen Minister, der daran glaubt, jemand mit Weitblick", so Van Gerven.

Van Gerven ist überzeugt, dass es einfach an politischem Willen fehle. "Wenn der politische Wille da ist, wird der Justizpalast renoviert. Sonst schiebt man das Ganze weiter auf die lange Bank und denkt, dass 'die nächste Regierung das Geld hierfür schon finden wird'."

Zögert man weiter mit den Renovierungen werden die Kosten zudem immer teurer. Jedes Jahr kommt ein Riss hinzu und ab und an bricht ein Stück von der Decke ab, heißt es in Fachkreisen noch.