Van Overtvelt über den Brexit: „Die Nerven der Briten sind gespannt“

Belgiens Finanzminister Johan Van Overtveldt (N-VA - Foto) sagte gegenüber VRT NWS nach einem Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond, dass die “britischen Nerven wegen des Ausbleibens eines Brexit-Deals gespannt sind.” Das letzte „white paper“ von Premierministerin Theresa May zum Brexit wurde bei der EU nicht gerade mit Applaus begrüßt. Die Zeit drängt…

Das „white paper“, dass Premierministerin May unlängst zur britischen Haltung gegenüber der EU zu den Brexit-Verhandlungen vorlegte, wurde in Brüssel nur mit mäßigem Wohlwollen bedacht, während es im britischen Parlament in London als „äußerstes Angebot“ gilt. Langsam dängt die Zeit, denn in rund 11 Wochen soll ein Deal mit der EU stehen, damit die Briten im März 2019 die Europäische Union verlassen können.

Dies bemerkte auch der Gouverneur der Bank of England in der vergangenen Woche. Mark Corney sprach davon, dass die Möglichkeit, keine Einigung mit der EU zu erzielen, „unkomfortabel hoch“ sei. Diese Angst kann Belgiens Finanzminister Van Overtveldt nur allzu gut verstehen, zumal er sich erst kürzlich in Brüssel mit seinem britischen Amtskollegen Philip Mammond getroffen hatte.

„Wir befinden uns heute in einer wirtschaftlichen Lage, die recht unsicher ist. Ich verweise dabei auf Handelskriege, genauer auf die Haltung von US-Präsident Trump und auf einige aufstrebende Länder mit enormen Schuldenbergen, vor allem auf Ebene der Unternehmen.“

„Wenn jetzt ein ‚wilder‘ Brexit noch dazu kommt, dann ist das doch ein bisschen zu viel Unsicherheit für das allgemeine Wirtschaftsleben. Ich kann mir das gut vorstellen, dass sich der Gouverneur der Bank of England gerade nicht besonders gut fühlt.“, so der belgische Finanzminister.

Allerdings, so Van Overtveldt nach dem Hammond-Treffen, sei die ökonomische Lange in England nicht so schlecht, wie die großen Brexit-Pessimisten erwartet haben, doch „man muss das auch langfristig sehen und wenn wir in einem ‚no deal‘-Szenarium mit abrupten und unvorhergesehenen Situationen landen, dann kann die Lage der britischen Wirtschaft sehr schnell kippen.“