Nicolas Lambert

Die US-Sanktionen gegen den Iran treffen auch Belgiens Wirtschaft

Etwa fünf Jahre lang legte der Handel zwischen Belgien und dem Iran deutlich zu, doch seit sich der Konflikt zwischen dem Mullah-Staat und US-Präsident Trump weiter zuspitzt, geht der Trend in die Gegenrichtung. Seit Dienstag sind die neuen Sanktionen in Kraft und diese treffen auch europäische Unternehmen, die im Iran aktiv sind. Auch belgische, bzw. flämische Firmen sind darunter.

In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres sanken die Exportzahlen in Richtung Iran um 13 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Zwischen 2013 und 2017 jedoch wuchs das Exportvolumen von 240 Mio. € auf rund 600 Mio. €. Doch nach der Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA wendete sich das Blatt. Besonders betroffen ist davon die flämische Industrie und hier in erster Linie der Maschinenbau.

Seit dem „neuen“ Atomabkommen mit dem Iran im Jahr 2015 war das Land für die hiesige Industrie ein attraktiver Handelspartner geworden, wie die flämische Tageszeitung De Standaard dazu schreibt. Doch mit der einseitigen Aufkündigung des Abkommens durch US-Präsident Trump und den drohenden Problemen für dort aktive westliche Unternehmen (Stichwort Handelsboykott) verändert sich wirtschaftlich alles.

Belgische Firmen schließen ihre iranischen Vertretungen

Die Europäische Union, genauer die EU-Kommission, stimmt der US-Iran-Politik nicht zu, im Gegenteil. Hier greift derzeit ein Gegenplan, mit dem europäische Firmen, die durch den Boykott Einkommensverluste erleiden, Recht auf Entschädigungen haben. Doch viele internationale Unternehmen ziehen selbst die Handbremse und setzen ihre Aktivitäten im Iran zumindest „on hold“ oder machen ganz zu. Darunter sind auch Firmen aus dem belgischen Bundesland Flandern.

Soudal zum Beispiel, der Silikon- und Klebstoffproduzent aus Turnhout in der Provinz Antwerpen. Hier hatte man im Zuge einer belgischen Handelsmission in Teheran im vergangenen Jahr ein Verkaufsbüro eröffnet und konnte rasch auf eine große Nachfrage zählen, doch gegenüber De Standaard gab Soudal-Marketingchef Luc Thys an: „Wir haben auch einen Produktionsstandort im US-Staat Kentucky. Und der ist für uns viel wichtiger.“

Von der (Un)Möglichkeit, noch Geschäfte zu machen

Bei Reynaers Aluminium in Duffel, ebenfalls Provinz Antwerpen, sind die gesamten Iran-Aktivitäten zusammengebrochen. Hier heißt es, dass der Markt viel zu instabil sei, um noch Geschäfte zu machen. Und die Tatsache, dass man durch die US-Sanktionen keine Banktransaktionen mehr durchführen könne, mache ohnehin jeglichen Handel unmöglich.

Die regionale Flämische Handelsagentur FIP hingegen lässt ihr Büro in der iranischen Hauptstadt Teheran geöffnet. Dort wolle man die Unternehmen, die doch weiter mit dem Iran Handel treiben wollen, „mit Rat und Tat unterstützen“.

Glück haben jene Unternehmen, die in China aktiv sind. Laut De Standaard setzt der Getriebehersteller Punch Powertrain aus der Provinz Limburg darauf, dass z.B. die französischen Autobauer Renault und Peugeot ihre Iran-Aktivitäten nach China umziehen lassen. Dort könne man als Zulieferunternehmen Früchte aus dem Iran-Konflikt ernten… 

Wirtschaftlicher Gesamtschaden eher gering

Nach Angaben von Agoria, dem Dachverband der für Industrie und Technologieunternehmen in unserem Land, bleibt der Gesamtschaden für Belgien allerdings recht gering. Zwar trägt Flandern mit 90 % den Löwenanteil am belgischen Iran-Export, doch macht dieser Bereich nur gerademal 0,17 % des gesamten flämischen Ausfuhrvolumens aus.