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Die Beziehungen zwischen Belgien und Italien sollen wieder “politischer” werden

Bei einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Enzo Moavero Milanesi im Rahmen der jährlichen Gedenkfeier der Bergbaukatastrophe von Marcinelle 1956 besprach Belgiens Außenminister Didier Reynders (MR) auch die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Dabei wurde vereinbart, diesen Beziehungen wieder einen mehr „politischen“ Charakter zu verleihen.

Reynders und Moavero hatten sich am Mittwochabend nach der Gedenkfeier von Marcinelle zu einem langen Gespräch in den Brüsseler Egmontpalast (Foto) zurückgezogen. Beide Außenminister waren dabei der Ansicht, dass die bilateralen Beziehungen zwischen Belgien und Italien wieder „in Gang gebracht“ werden müssen. Ein erstes Ziel ist, dass die Kontakte auf ministerieller Ebene wieder konkretisiert werden sollen.

Zu einem späteren Zeitpunkt sollten dann mehr spezifische Bereiche, wie Kultur, Mobilität und Energie auf die Tagesordnung gesetzt werden. Das Vorhaben, eine wieder „mehr politische“ Verbindung aufzubauen, könnte laut Außenminister Reynders sogar in die Gründung von „gemeinsamen Einrichtungen“ münden.

Seit die neue italienische Regierung, die aus der populistischen Partei Fünf Sterne-Bewegung und der rechtsgerichteten Lega besteht, im Rom im Juni die Amtsgeschäfte übernahm, herrscht eine Art Eiszeit zwischen Italien und den anderen EU-Ländern, denn beide Parteien sind deutlich euroskeptisch.

Dass ausgerechnet der EU-gesinnte parteilose Enzo Moavero Milanesi Außenminister seines Landes wurde, lässt zumindest die belgische Bundesregierung aufhorchen. Moavero arbeitete rund 20 Jahre lang bei EU-Institutionen und bei der italienischen Vertretung in Brüssel - u.a. als Kabinettchef für EU-Kommissar Monti - und war zwischen 2011 und 2014 als Minister ohne Geschäftsbereich für europäische Angelegenheiten bei der Regierung Monti zuständig. 

Das Grubenunglück von Marcinelle

Jedes Jahr am 8. August wird der Opfer der schwersten Bergbaukatastrophe Belgiens gedacht. Am 8. August 1956 kam es in Marcinelle bei Charleroi (Prov. Hennegau) zu einem verheerenden Brand unter Tage in der Grube „Bois du Cazier“, bei dem 262 Bergarbeiter ums Leben kamen. Über die Hälfte der Todesopfer waren Gastarbeiter aus Italien.

Das Grubenunglück hatte damals zu einer schweren diplomatischen Verstimmung zwischen Belgien und Italien geführt, denn die Italiener warfen der belgischen Industrie vor, nichts für die Sicherheit ihrer Landsleute im Bergbau zu tun.

Die Italiener sind bis heute eine der größten Einwanderergemeinschaften in Belgien. Seit der Katastrophe von Marcinelle erklingen jedes Jahr an der ehemaligen Grube „Bois du Cazier“ (heute ein Bergbaumuseum - Foto unten) 262 Glockenschläge für jeden damals umgekommenen Kumpel und jedes Jahr reisen hochrangige Regierungsvertreter aus Italien zu dieser Gedenkfeier an. 

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