"Ryanair ist zur Veränderung verdammt"

Ryanair gleicht heute immer mehr einer belagerten Festung. Die irische Billigfluggesellschaft ist jetzt schon seit mehreren Monaten Gegenstand von Aufständen ihres Personals, das ihre aggressiven Sozialpraktiken nicht mehr aushält. Und erstmals sind die Opponenten auf europäischer Ebene aufeinander abgestimmt, heißt es an diesem Freitag in dem Leitartikel der Zeitung La Libre Belgique zu den Streiks bei Ryanair. Aus dem Französischen von Uta Neumann.

Die Piloten und das Kabinenpersonal scheinen heute fest entschlossen zu sein, die Gesellschaft mit Marktführerposition bei den  Passagierzahlen in Europa in die Knie zu zwingen. An diesem Freitag wird ein neuer Streik in Belgien, Deutschland, Irland, Schweden und in den Niederlanden die vielen Flugzeuge von Ryanair am Boden halten.

Für Ryanair, Verfechter des Grundsatzes “spalte und herrsche”, ist dieses soziale Tauziehen in diesem Ausmaß einzigartig. Außer einiger kleiner Zugeständnisse hat das Management unter Führung des quirligen Michael O’Leary bis heute den Kopf eingezogen, in der Hoffnung, dass die Proteste wieder abflauen würden. Denn das “Business Modell” von Ryanair, das ausschließlich auf irischem Recht und all seinen Vorteilen beruht, ist in den Genen der Gesellschaft und ihrer Manager verankert. Doch der Ausgang ist unabwendbar: Ryanair wird früher oder später gezwungen sein, sich anzupassen und bei seinen Arbeitnehmern örtliche arbeitsrechtliche Praktiken anzuwenden. Zum Druck der Belegschaft kommt nämlich auch noch der rechtliche Druck - der eine bindende Komponente haben wird - und ein politischer hinzu - sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene, auch wenn Letztere eher mit einem Beschwörungsmantra zu tun hat. Und dann ist da auch noch die Gefahr, die Passagiere gegen sich aufzubringen, die schon die Beleidigung ertragen mussten, von Ryanair zu hören zu bekommen , dass sie keinerlei Entschädigung für die annullierten Flüge bekommen würden. Dabei bewegt sich die irische Gesellschaft  hinsichtlich der EU-Gesetzgebung in der Illegalität.

Ja, Ryanair muss sich ändern. Grundlegend. Mit dem Chef eine Welt, die sich ändert, vor seinen Augen ignorieren, würde blind machen. Andere Low Cost-Modelle haben es gezeigt: Man kann bei den Preisen wettbewerbsfähig bleiben, ohne dabei ein zweitklassiges Sozialmodell anzuwenden.