Braunschweig und Roselies gedenken weiter gemeinsam der Opfer aus dem Ersten Weltkrieg

Bereits zum fünften Mal seit 2014 finden in diesen Tagen wieder Zusammentreffen von Belgiern aus Roselies, Deutschen aus Braunschweig und Franzosen aus Rouen statt, die heute gemeinsam den Opfern aus dem Ersten Weltkrieg gedenken. Dabei treffen einstige "Erbfeinde" zusammen.  Am vergangenen Wochenende traf man sich bei der Einweihung einer Schule im belgischen Roselies bei Aiseau-Presles im Hennegau und Anfang September reist eine Reisegruppe aus Belgien zum Gegenbesuch nach Braunschweig. 

Inzwischen steht in Roselies ein Denkmal der Erinnerung, das von Brauschweig aus initiiert wurde. Der Gedenkstein (Foto oben), der vom grausigen Geschehen in Roselies/Aiseau-Presles durch Braunschweiger Truppen im 1. Weltkrieg erzählt, steht heute in der Nähe der Schule des Ortes.

In zwei Wochen, am 1. September 2018, kommt eine belgische Delegation zum Gegenbesuch nach Braunschweig. Im dortigen Stadtteil Roselies freuen sich Anwohner auf den Gegenbesuch aus Belgien. Die Delegation aus Roselies reist  zur Einweihung des „Gartens der Erinnerung“ an.

Ein Roselies-Patenschafts-Baum, eine Linde, wurde von den Bürgern des Viertels im Kreisverkehr der Roselies-Straße schon vor zwei Jahren gepflanzt. Der Baum wird heute privat gepflegt und er wurde mit einer Gedenkplatte ausgestalte auf der zu lesen steht: "Der Opfer gedenkend die Zukunft beginnen" (Foto).

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Zu Beginn des 1. Weltkrieges hatten Truppen aus Braunschweig im belgischen Roselies schwere Kriegsverbrechen begangen und dort auch gegen französische Verbände aus Rouen gekämpft. In der Nazi-Zeit erinnerte man sich an gerne an die „Heldentaten“ von damals und taufte die Kaserne im Lindenberg in Braunschweig nach dem kleinen Belgischen Ort in „Roselies-Kaserne“ um. Bis ins Jahr 2014 hinein wussten die Belgier weder von ihrem Namen „Roselies“ im Stadtteil Lindenberg, noch kannten sie überhaupt Braunschweig, auch wenn sie jedes Jahr den Gräueln von damals gedachten.

Das hat sich geändert, denn seit 2014 gibt es auf Initiative der Bürgerinitiative Braunschweig (BIBS) nicht nur intensive Kontakte und das heute alljährliche gemeinsame Gedenken an die Opfer von damals, sondern eine echte Erinnerungspartnerschaft. Vielleicht führt dies bald zu Städtepartnerschaften zwischen den drei beteiligten Städten aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte von vor über 100 Jahren. 

Staatsakt in Roselies

Neben der Einweihung der Erinnerungsstehle am vergangenen Samstag mit Vertretern aus dem Braunschweiger Roselies-Viertel, einem Neubaugebiet gab es am Sonntag einen länderübergreifendes Gedenken mit belgischen und französischen Regierungsvertretern, kommunalen Repräsentanten aus Rouen und Cherbourg in Frankreich und dem Kreis Aiseau-Presles sowie dem Vertreter der deutschen Botschaft in Brüssel, Volker Timmermann und der Braunschweiger Delegation am Soldatenfriedhof von Roselies (Foto unten).

Ehrenformationen aus Belgien und Frankreich und Vertreter der Vereinten Nationen wohnten dieser Gedenkveranstaltung ebenfalls bei und zum ersten Mal wurde zu diesem Anlass dort auch eine deutsche Fahne gehisst. Besonders erfreulich war für die Gäste aus Deutschland, dass der Jugendvertreter der Provinz Hennegau, Achille Verschoren, in seiner Ansprache auch einige Sätze in deutscher Sprache an die Gäste richtete.