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Die Zukunft der Post: Weniger Briefe, also weniger Zustellrunden

Die belgische Post, Bpost, hält weiter an ihrem Vorhaben fest, sich den neuen Gegebenheiten zu stellen. Das bedeutet, dass althergebrachte Aufgabenbereiche immer weiter aus dem Fokus geraten. Davon betroffen ist am allermeisten das Briefgeschäft. Einige Wochen nach der Ankündigung, weitere Briefkästen aus dem Straßenbild zu entfernen, soll jetzt auch auf die tägliche Postzustellung durch den Briefträger verzichtet werden. Weniger ist mehr, so Bpost-CEO Koen Van Gerven am Wochenende in einem Zeitungsinterview. 

Bpost-CEO Van Gerven sagte gegenüber den Redaktionen von De Standaard und Le Soir, dass in absehbarer Zeit nicht mehr jeden Tag in jeder Straße ein Briefträger seine Runde drehen werde: „Wir müssen die Mengen bündeln. Dadurch bekommt der Postbote wieder eine volle Tasche, wie das 2004 - 2006 noch der Fall war. Damit können wir dann einige Jahre weitermachen. Dazu gehört auch eine besondere Briefmarke, die wir in Testphasen austesten wollen.“

Spätestens zum Jahreswechsel können bereits umfassend solche Tests durchgeführt werden, wie Postchef Van Gerven Ende Juni gegenüber dem Ausschuss Infrastruktur im belgischen Bundesparlament erklärt hatte. Dabei wird zwischen Briefen, die innerhalb eines Tages zugestellt werden müssen (wie z.B. beim herkömmlichen „Prior-System“) und Briefen, die bis zu drei Tage unterwegs sein können, unterschieden.

Schon ab 2020 könnten die täglichen Zustellrunden gelaufen sein und der Briefträger nur noch zwei oder dreimal pro Woche seine Runden durch die Viertel drehen. Dies werde nicht nur bei den Kunden einen Lernprozess erfordern, sondern auch, in dem bei Bpost selbst Pilotprojekte umgesetzt werden müssen, so Van Gerven weiter.

Van Gerven möchte auch von Erfahrungen aus dem Ausland lernen. Konkret schielt der Postchef dabei in Richtung des staatlichen dänischen Postdienstleisters NordPost, der genau so seine bis dato im klassischen Briefgeschäft eingefahrenen Verluste wieder wettmacht. Und doch soll ein Brief oder Paket in Dänemark nur höchstens fünf Tage lang unterwegs sein.