“Sehr viele Sektoren müssen sich bei einem ‘no deal’ Sorgen über den Brexit machen”

Die britische Regierung beginnt in diesen Tagen damit, die Bürger des Königreichs darüber zu informieren, was die Folgen eines Brexits ohne Abkommen mit der Europäischen Union sein könnten. Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA - Foto) hofft, dass es soweit nicht kommt. Dies wäre ein Katastrophen-Szenario, so der Ministerpräsident am Donnerstagmorgen gegenüber VRT NWS.

Flanderns Landeschef Bourgeois rät den Briten zu einer größtmöglichen Nähe zur EU, doch vieles weist darauf hin, dass sich der Brexit am 29. März 2019 ohne ein konkretes Austrittsabkommen mit der Union vollziehen könnte. Die Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der EU verlaufen zäh und nichts weist darauf hin, dass die Briten einen echten Plan haben.

An diesem Donnerstag lanciert die Regierung May sogar einen Ratgeber für Bürger und Unternehmen darüber, das zu tun ist, wenn der Brexit ohne Ankommen vollzogen werden muss. Brexit-Minister Domonic Raab will nach eigenen Angaben damit vermeiden, dass eventuelle Drohszenarien auf den britischen Inseln für bare Münze genommen werden. Doch soll so auch auf ein mögliches ‚no deal‘-Szenario hingewiesen werden.

„Flandern würde nach Irland die meisten Verluste erleiden. Wir könnten dabei bis zu 28.000 Jobs verlieren.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois

Diesen Vorgang nahm die Redaktion des VRT-Frühstückradios „de ochtend“ (der frühe Morgen) zum Anlass, darüber mit Landeschef Bourgeois zu sprechen. Bourgois ist der Ansicht, dass dies eine Katastrophe ist und dass viele davon schwer getroffen werden können: „In erster Linie die Briten, die sozialwirtschaftlich sehr schwere Verluste verbuchen müssen, aber auch die Europäer. Flandern würde nach Irland die meisten Verluste erleiden. Wir könnten dabei bis zu 28.000 Jobs verlieren. Sehr sehr sehr viele Sektoren müssen sich über einen ‚no deal‘ Sorgen machen.“

Geert Bourgeois hofft noch, dass es nicht soweit kommen wird, doch auch er muss zugeben, dass das Wasser zwischen den Briten und der EU bei den Brexit-Verhandlungen noch sehr tief ist: „Wir beschäftigen uns sehr intensiv damit, die Unternehmen auf alle möglichen Probleme vorzubereiten, nicht zuletzt auch auf die Zollprobleme. Heute führen die Unternehmen ungehindert aus, doch in Zukunft muss jeder Lastwagen und jedes Schiff kontrolliert werden.“

„Wir beschäftigen uns sehr intensiv damit, die Unternehmen auf alle möglichen Probleme vorzubereiten, nicht zuletzt auch auf die Zollprobleme.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois

„Viele Betriebe sind sich meines Eindrucks nach nicht wirklich dessen bewusst, welcher Verwaltungskram auf sie zukommen wird.“, so Landeschef Bourgeois. Er zählt deswegen auf den gesunden Menschenverstand und auf den britischen Pragmatismus am Verhandlungstisch: „Ich sehe mehr und mehr Stimmen in Großbritannien, die für ein gutes Abkommen plädieren oder dafür, die Dinge zurückzuschrauben. Es war dann auch eine sehr prekäre Mehrheit, die für den Brexit gestimmt hat.“