Flip Franssen

Gesundes Essen: Freiwilliger „nutri-score“ auf Lebensmittelverpackungen

Belgiens Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) führt einen sogenannten „nutri-score“ auf Lebensmittelverpackungen ein. Dies soll die Verbraucher über ein Stufensystem von A bis E auf gesunde Nahrung hinweisen. Die Ministerin will es den Konsumenten einfacher machen, auf gesunde Lebensmittel zurückzugreifen. Das System verpflichtet die Hersteller nicht dazu, den „nutri-score“ aufzudrucken, setzt aber auf Freiwilligkeit.

Der „nutri-score“ des belgischen Gesundheitsministeriums geht von einem -15-Wert für „besonders gesund“ bis +40 für „besonders ungesund“. Ergänzt wird dies mit einem Farbcode von dunkelgrün bis dunkelrot. Welchen Wert ein bestimmtes Produkt erhält, wird über einen wissenschaftlichen Algorithmus bemessen, der sowohl negative als auch positive Elemente innerhalb der Zutatenliste berücksichtigt.

Negativen Einfluss haben Zucker und Salz, gesättigte Fettsäuren oder auch Kalorien. Positiv wirken sich Obst und Früchte, Gemüse, Ballaststoffe oder Eiweiße aus. „Das ist eine wissenschaftliche Angelegenheit je nach Zutaten. Unternehmen können das nicht einfach so mit einem Fingerzeig bestimmen.“, so die Gesundheitsministerin.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Ministerin De Block ließ sich dabei von den Franzosen inspirieren, denn in Frankreich ist der „nutri-score“ ihrer Ansicht nach ein großer Erfolg: „Wir beobachteten, dass Hersteller mit einem roten Label alles darangesetzt haben, um ihre Produkte gesünder zu machen.“ Das Ganze hatte übrigens einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Einkaufsverhalten der dortigen Verbraucher.

Keine Verpflichtung

De Block würde sich wünschen, dass alle Lebensmittelprodukte auf Dauer mit einem „nutri-score“ versehen werden, doch verpflichten will oder kann sie liberale Ministerin dies nicht: „Das geht wegen Europa nicht. Auch in Frankreich ist das ein freiwilliges System. Wir wissen aber, dass jeder dazu bereit ist, hier mitzuarbeiten, sowohl die Produzenten, als auch der Vertrieb. Es wird wohl auch zu einem Konkurrenzkampf in Sachen gesunde Lebensmittel zwischen den Herstellern kommen.“ 

Gemischte Gefühle?

Der belgische Verbraucherschutzbund Test Aankoop/Test Achats begrüßt den „nutri-score“ und die Warenhausketten Delhaize und Colruyt erklärten, auf jeden Fall dabei mitzumachen. Der Lebensmittelsektor in Belgien beobachtet den Vorgang allerdings eher zurückhaltend.

Bei FEVIA, dem Dachverband der belgischen Lebensmittelhersteller, hält man den „nutri-score“ des Gesundheitsministeriums für zu simpel. Wissenschaftlich sei das Ganze richtig, doch die Umsetzung sei nicht ideal. Der Farbcode würde zum Beispiel nicht mit den individuellen Bedürfnissen der Verbraucher Rechnung tragen, verlautete dazu von Seiten des Verbandes.

FEVIA hält nur ein europaweit gültiges System für vernünftig. Da nur Frankreich und jetzt auch Belgien mit dem „nutri-score“ arbeiten würden, müssten die Hersteller mit verschiedenen Verpackungen für den Export arbeiten. Das sei für einen Sektor, der rund die Hälfte seines Geschäfts im Ausland mache, ein Nachteil.