Ein Brexit hat mit oder ohne „Deal“ mit der EU negative Folgen für Flandern

Sollten die Europäische Union und das Vereinigte Königreich keine Einigung über die weitere Zusammenarbeit nach dem Brexit erzielen, können die Folgen für Belgien im Allgemeinen und für das Bundesland Flandern im Besonderen schwerwiegend sein. Belgiens Wirtschafts- und Arbeitsminister Kris Peeters (CD&V) und jetzt auch wieder Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA) warnten zum wiederholten Male vor diesen Folgen. 

Beide stützen sich dabei auf Berechnungen einer hochrangig besetzten Brexit-Arbeitsgruppe. Diese sogenannte „High Level Brexit Group“ wurde im Dezember 2017 eingesetzt, um die Folgen des Brexits für die belgische Wirtschaft einzuschätzen. Ein „no-deal“-Szenario würde weitreichende Folgen haben. Dies bestätigten jüngst auch noch die Wirtschaftsberater von Deloitte.

Demnach würden die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen für Zollgebühren die hiesige Wirtschaft bis zu 2,2 Mia. € pro Jahr zusätzlich kosten. Und ein Rückgang der Geschäfte mit Großbritannien könnte bis zu 42.000 Arbeitsplätze in Gefahr bringen. Deloitte setzt Belgien auf Rang 4 der 27 EU-Länder in Sachen ökonomischer Brexit-Gefährdung. 

„Zwischen 2012 und 2016 kamen im Durchschnitt 83,5 % aller jährlichen Exporte unseres Landes in Richtung Großbritannien aus Flandern“

Belgiens Wirtschaftsminister Kris Peeters

Und hier ist Flandern besonders gefährdet, wie Bundeswirtschaftsminister Peeters einmal mehr gegenüber den Medien angab: „Zwischen 2012 und 2016 kamen im Durchschnitt 83,5 % aller jährlichen Exporte unseres Landes in Richtung Großbritannien aus Flandern gegenüber 13,7 % aus der Wallonie und 2,8 % aus Brüssel.“

Die Wirtschaft wird auf einen „harten" Brexit vorbereitet

Laut Berechnungen der belgischen Nationalbank (BNB) sind in Flandern folgende Sektoren besonders von einem „no-deal-Brexit“ betroffen: Fahrzeugbau und Transportmittel-Produktion, die Chemieindustrie, die Pharmaindustrie und die Mineralproduktion. Diese Bereiche würden einen Jahresumsatz von rund 6,7 Mia. € betreffen. 

„Hoffentlich lassen britische Bürger, Unternehmen, Landwirte und Universitäten ihre Stimme des gesunden Menschenverstandes hören.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois

Ab September können sich belgische Unternehmen, die auch am britischen Markt aktiv sind, auf Maß beraten lassen. Ihr Unternehmen wird auf die möglichen Auswirkungen eines „harten“ Brexits hin gescannt, um die potentiellen Folgen aufzeigen zu können. Das belgische Wirtschaftsministerium (FOD Economie) arbeitet zudem an einer entsprechenden Webseite und wird mit einer Informations- und Kommunikationskampagne aufwarten.

„Ein ‚harter‘ Brexi kann noch abgewendet werden, doch wir wollen die Aufmerksamkeit der Unternehmen erhöhen, ohne dabei für Panik zu sorgen.“, so Wirtschaftsminister Peeters. Laut Graf Paul Buysse v, der Vorsitzende der „Brexit High Level Group“, vor einigen Wochen wächst die Sorge inzwischen allerdings bei fast allen, die in dieser Frage mit am Tisch sitzen: „Jetzt ist es daran, unsere Unternehmen so gut wie möglich vorzubereiten und abzusichern. Wir müssen äußerst vorsichtig sein, denn in diesem Dossier kann jeder verlieren.“

Flanderns Landeschef Geert Bourgeois sagte noch am Donnerstag: „Hoffentlich lassen britische Bürger, Unternehmen, Landwirte und Universitäten ihre Stimme des gesunden Menschenverstandes hören.“ Beruhigend klingt das nicht gerade …