Flanderns erstes Filmmuseum in Geraardsbergen eröffnet

In Geraardsbergen in der Provinz Ostflandern wird an diesem Wochenende der erste Bereich des „Museum und Archiv des flämischen Films“ (MAVF) eröffnet. Dieses Museum füllt eigentlich eine klaffende Lücke, denn bisher gab es im belgischen Bundesland Flandern noch kein Museum, dass sich mit der hiesigen Filmgeschichte befasst.

An diesem Wochenende werden die ersten beiden Flügel des MAVF eröffnet. Der erste Flügel legt den Fokus auf die Anfangszeit der flämischen Filmkunst, die etwa gegen 1920 ihren Anfang nahm. In einem Filmsaal werden ergänzend dazu permanent laufend die ersten flämischen Stummfilme gezeigt, aber auch Nachrichtenbulletins aus dem Ersten Weltkrieg, die damals im Vorprogramm von Filmen in den Kinos gezeigt wurden.

Zudem ist dort ein originaler Schneide- und Montagetisch für 16 mm-Filmstreifen zu sehen, sowie auch andere technische Stücke aus der Anfangszeit von Film und Kino, wie z.B. Kameras oder Projektoren (Foto oben). Zahlreiche historische Kinoplakate aus Flandern und viele alte Kinokarten und Werbeflyer runden den ersten Ausstellungsbereich ab.

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Eine ganz besondere Attraktion des ersten flämischen Filmmuseums ist zweifellos die originale Rekonstruktion eines Kinosaals mit insgesamt 38 originalen Kinoklappsesseln. Hier werden insgesamt 40 sogenannte „Volksfilme“, vergleichbar mit den „Heimatfilmen“ aus dem deutschsprachigen Kulturkreis, gezeigt. Darunter ist auch die Originalversion des legendären flämischen Streifens „De Witte“ (frei übersetzt „Der Blondschopf“) aus dem Jahr 1964 nach einem Buch von Ernest Claes (siehe Filmplakat oben).

Um Ostern 2019 kommt ein weiterer Raum hinzu, der sich mit den Naturfilmen des später als Comicautor bekannt gewordenen Filmemacher Marc Sleen beschäftigt. Dabei wird auch nachzuvollziehen sein, in wie fern sich dessen Filme später in seinen Comicalben wiederspiegeln. 

Das Museum in einem Kloster wird weiter ausgebaut

Die beiden nächsten Flügel des MAVF werden nach einander in den Jahren 2019 und 2020 eröffnet. Dort wird die Entwicklung des flämischen Films in den letzten 50 Jahren beleuchtet. Hinzu kommen noch jährlich wechselnde Themenausstellungen, denn die Sammlung, über die das flämische Filmmuseum schon jetzt verfügt, ist wohl enorm umfangreich.

Die Sammlung ist eine Dauerleihgabe der flämischen Vereinigung „Das Flämische Filmarchiv“ und von privaten Sammlern. Das „Museum und Archiv des flämischen Films“ hat sein Zuhause im Kloster von Hunnegem, einem Ortsteil von Geraardsbergen. Dieses Fränkische Kloster mit seiner romanischen Kapelle gilt historisch als Entstehungsort der heutigen Gemeinde Geraardsbergen.