Weniger Kontrollen von Brücken und Viadukten in Flandern

Die Zahl der Kontrollen von Brücken und Viadukten im belgischen Bundesland Flandern hat sich in der jüngeren Vergangenheit verringert. Während diese Bauwerke früher in einem strikt eingehaltenen Dreijahresrhythmus überprüft wurden, finden Kontrollen heute nur noch alle vier bis fünf Jahre statt. Angesichts der Brückenkatastrophe von Genua halten Beobachter und Fachleute diese Entwicklung für besorgniserregend. 

Auch der Fraktionschef der oppositionellen Sozialisten SP.A im flämischen Landesparlament, Joris Vandenbroucke, der diese Zahlen jetzt vorlegte, hält die Situation für bedenklich, doch die Landesagentur für Straßen und Verkehr beschwichtigt. „Für einige Brücken ist eine Kontrolle alle drei Jahre nicht nötig.“, heißt es von dort aus.

Vandenbroucke hatte bei Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA) angefragt, in welchem Rhythmus die flämischen Autobahnbrücken und -viadukte überprüft würden. Früher geschah dies stets alle drei Jahre, doch dieser Rhythmus wird heute bei noch nicht einmal mehr der Hälfte dieser Bauwerke eingehalten. Hinzu kommt noch, dass heute etwa jede fünfte Brücke nur alle vier Jahre überprüft wird und dass insgesamt sieben Brücken seit mehr als fünf Jahren auf eine Kontrolle warten.

„Während die Brücken älter und immer schwerer belastet werden, schraubt Straßen und Verkehr die Zahl der Inspektionen zurück.“

SP.A-Fraktionschef Joris Vandenbroucke

„Diese Entwicklung besorgt mich. Während die Brücken älter und immer schwerer belastet werden, schraubt Straßen und Verkehr die Zahl der Inspektionen zurück. Dadurch drohen Probleme länger unbemerkt zu bleiben. Diese Herangehensweise erhöht das Risiko auf Probleme, statt diese zu vermeiden.“, so SP.A-Fraktionschef Joris Vandenbroucke.

Bei der flämischen Landesagentur für Straßen und Verkehr, die für die Sicherheit von etwa 2.700 Brücken und Viadukten in Flandern zuständig ist, bestätigt man, dass die Inspektionsfolge seit 2017 etwas verringert wurde und dass Kontrollen heute „alle drei bis fünf Jahre“ stattfinden. 

„Diese Lockerung kam, weil es für bestimmte Brücken einfach nicht nötig ist, sie alle drei Jahre zu kontrollieren.“

Veva Daniëls, Sprecherin der Agentur Straßen und Verkehr

„Diese Lockerung kam, weil es für bestimmte Brücken einfach nicht nötig ist, sie alle drei Jahre zu kontrollieren. Der Viadukt von Kiewit (in Hasselt (A.d.R.)) ist im vergangenen Jahr vollständig erneuert worden. Eigentlich ist das heute eine völlig neue Brücke. Es hat nicht viel Sinn, sich hier an einen strikten Kontrollrhythmus von drei Jahren zu halten.“, so Veva Daniëls, die Sprecherin der flämischen Landesagentur für Straßen und Verkehr.