Yorick Jansens

UN-Anti-Drogenprogramm in Latein-Amerika: „Die meisten Lieferungen sind für Belgien bestimmt“

Seit Anfang 2017 haben Hafenbehörden in Süd- und Latein-Amerika mit Hilfe des Container-Kontrollprogramms der Vereinten Nationen (CCP) über 50 Tonnen Kokain beschlagnahmt, das für Europa bestimmt war. Nach UN-Angaben hatten rund 30 % dieser Lieferungen einen belgischen Seehafen als Bestimmungsort. Angesichts sich häufender Fahndungserfolge in dieser Hinsicht z.B. im Hafen von Antwerpen, ist dies nicht unbedingt überraschend.

Mit dem Container-Kontrollprogramm der Vereinten Nationen (CCP) unterstützen das UN-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODS) und die Welt-Zoll-Organisation Zoll und Polizei im Kampf gegen den Schmuggel von Drogen, Waffen, geschützte Tiere und Pflanzen und vieles mehr. Die beteiligten Programme und Organisationen bieten Fachwissen, Risikoanalysen und auch Ausbildungen in dieser Hinsicht an und es wird dort versucht, den internationalen Austausch von Daten und Erkenntnissen zu fördern.

Inzwischen wirft diese Herangehensweise ihre Früchte ab. In Latein-Amerika und auf den Karibischen Inseln arbeiten schon 14 Ländern an den Programmen mit. Derzeit liegt der Fokus hier besonders beim Drogenschmuggel, gezielt beim Kokainschmuggel. Im vergangenen Jahr konnten 44,4 Tonnen Koks mit Ziel Europa beschlagnahmt werden und im laufenden Jahr bereits 31,7 Tonnen. 

Antwerpens Ruf als europäische Drogendrehscheibe bestätigt

Dabei fällt der Hafen von Antwerpen einmal mehr in ein schlechtes Licht und bestätigt seinen Ruf als europäische Drehscheibe für harte Drogen. Von den 44,4 Tonnen Kokain, die das CCP letztes Jahr beschlagnahmen konnten, waren 31 Tonnen für Europa bestimmt und davon hatten 22 Tonnen das Ziel Antwerpen - Tendenz steigend. Von den in diesem Jahr beschlagnahmten Drogen aus Richtung Latein-Amerika hatten wieder 22 Tonnen das Ziel Europa und die Hälfte davon sollte in Antwerpen an Land gehen.

Der Belgier Bob Van Den Berghe, regionaler Koordinator für UNODS und CCP in Panama ist der Ansicht, dass ein besserer Informationsfluss in dieser Hinsicht für noch bessere Erfolge sorgen: „Wir arbeiten schon jetzt eng mit der Bundespolizei und mit dem Zoll in Belgien zusammen.“ Das Antwerpen das Hauptziel für Drogen aus dem südlicheren Amerika ist, hat auch geografische Gründe sowie den Aufbau des Hafens. 

„Antwerpen hat einen offenen Hafen im Gegensatz zu Rotterdam, wo es geschlossene Terminals gibt.“

Bob Van Den Berghe, belgischer Koordinator für UNODS und CCP

Darum weist z.B. der nicht so weit entfernte niederländische Hafen von Rotterdam in dieser Hinsicht weniger spektakuläre Zahlen auf. „Antwerpen hat einen offenen Hafen im Gegensatz zu Rotterdam, wo es geschlossene Terminals gibt. Rotterdam ist auch viel mehr automatisiert. Das spielt auch eine wichtige Rolle.“, so Van Den Berghe, der früher Polizeioffizier im Antwerpener Hafen war. Heute arbeitet er von Panama aus an diesen Programmen. Bald übernimmt auch die Europäische Union einen großen Anteil an der Finanzierung dieser Anti-Drogenschmuggel-Programme. Noch sind die USA und Kanada die wichtigsten Geberländer in dieser Hinsicht.