Wie schlimm ist es mit Flanderns geschlossenen Jugendeinrichtungen wirklich bestellt?

Es ist ein altes Leid, aber ein neuer Zwischen-Bericht über geschlossene Jugendeinrichtungen in Flandern kritisiert die dortigen Lebensbedingungen. Die Infrastruktur ist veraltet, Jugendliche werden in Isolierzellen gesperrt und erhalten häufig nicht die richtige Hilfe. Das steht im  Zwischenbericht des zuständigen Ausschusses, der die Jugendheime kontrolliert.

In dem Bericht werden Zeugenberichte der Jugendlichen selbst aufgeführt. Sie dürfen jeden Monat mit jemandem vom Ausschuss sprechen. Einige Zeugenberichte werfen Fragen auf.

So lautet eine Aussage in dem Bericht: "Letztes Mal musste ein Mädchen zwei Wochen warten, um die Nummer der Selbstmordhilfe wählen zu dürfen.“ Weiter heißt es: "Es gibt eine Isolationszelle, in der ist eine Toilette. Wir dürfen aber nicht selbst spülen. Das macht der Wachmann."

Lorin Parys, Parlamentsabgeordneter für die N-VA, sagt, er sei von dem, was in dem Bericht stehe, schockiert. "Es ist schwer zu sagen, was mich in dem 70-Seiten langen Bericht am meisten schockiert hat. Doch ich kann sagen, dass ich fast vom Hocker gefallen wäre, als ich las, dass Jugendliche bei der Aufnahme in eine bestimmte Einrichtung ein Dokument erhalten, in dem sie beteuern sollen, dass sie auf eine Berufung gegen das Urteil des Jugendrichters verzichten. Im Gegenzug dazu werden ihnen einige Privilegien eingeräumt", so Parys.

Es handelt sich nicht nur um einen Mangel an Hilfeleistungen, vielerorts lässt auch die Infrastruktur zu wünschen übrig. In dem Bericht steht zum Beispiel, dass die Jugendlichen im Sommer bei größter Hitze das Fenster nicht immer öffnen könnten und im Winter die Heizung manchmal nicht angestellt sei. Auch sei nicht ausreichend warmes Wasser vorhanden, damit alle Jugendlichen duschen könnten. In einigen Einrichtungen werde gar mit Nachttöpfen gearbeitet.

Der flämische Gesundheitsminister Jo Vandeurzen will sich nun mit den Einrichtungen beraten. "Wir können nicht sagen, wir hätten das nicht gesehen oder gelesen", so Vandeurzen. "Dagegen muss etwas unternommen werden. Ich will, dass das ernst genommen wird, aber auch eine Diskussion mit den Einrichtungen."

Ein einseitiges Bild?

Der Kinderrechtskommissar Bruno Vanobbergen hält den Bericht für eine einseitige Wiedergabe der Verhältnisse in den geschlossenen Heimen für junge Straftäter. Man gehe vielen Kritikpunkten jedenfalls nach, so Vanobbergen. "Natürlich müssen wir uns Sorgen über die Notizen in dem Monatsbericht machen. Und wir müssen den Mangel beheben, aber gleichzeitig ist es wichtig, die Berichterstattung in Sachen Jugendsorge zu nuancieren."

"Wenn man schaut, wie manche Zeitungen über die Erkenntnisse, die jetzt öffentlich geworden sind, berichten, mache ich mir Sorgen."