Ultrarechts bis in den Flämischen Jugendrat hinein

Ultrarechts hat sich einen Weg bis in den Flämischen Jugendrat gebahnt: Das zeigt die jüngste VRT-Reportage ("Pano"). Journalisten unseres Hauses konnten sich Zugang zu einer internen Chatgruppe verschaffen und mehr als 65.000 Berichte einsehen. Die Mitglieder der rechts-konservativen Bewegung Schild & Vrienden, die sich nach außen stets freundlich und redegewandt geben, haben noch ein anderes Gesicht: Rassismus, Sexismus und Waffen sind keine Ausnahme in der geheimen Gruppe. Die soll sogar ein offizielles flämisches Gremium, den Flämischen Jugendrat, unterwandert haben. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen.

Gründer der rechtsextremen Bewegung ist der Jurastudent Dries Van Langenhove. Schild & Vrienden verweist auf den Schlachtruf „scilt ende vrient“ aus der Guldensporenslag („Schlacht der Goldenen Sporen“). Die Bewegung ist aus der Facebookseite „De fiere Vlaamse meme“ (dt.: „Der stolze flämische Meme“) hervorgegangen, hinter der ebenfalls Van Langenhove steckt. Auf der Seite werden humoristische Videos und Memes (Internet-Insiderwitze) mit politischen Botschaften geteilt. Insbesondere "die Wallonen, die Sossen (Sozialisten) und die Ausländer" sind Gegenstand dieser Memes.

Anfang 2017 richtete Van Langenhove eine geheime Facebookgruppe „Schild & Vrienden“ hierzu ein. Auf der Seite werden die gleichen Memes geteilt. Die  öffentliche Seite von „Schild & Vrienden“ hat inzwischen über 14.000 Follower. Sie  entwickelte sich zu einer Bewegung, in der vor allem weiße, männliche Studenten Mitglied sind. Frauen sind zwar willkommen, aber Schild & Vrienden hegt nicht gerade eine frauenfreundliche Vision. Frauen sollen laut der Bewegung vor allem schön sein und für Nachkommenschaft sorgen. Der "echte Fortschritt" komme nach Auffassung von Schild & Vrienden von den Männern, "an die wir zurecht höhere Anforderungen stellen", heißt es in einer Nachricht. 

„Pano“ folgte der Jugendorganisation Schild & Vrienden über ihren Anführer Dries Van Langenhove. Der Jurastudent der Uni Gent hat auch ein Diplom in Politikwissenschaften und eine Berufsausbildung als Klempner. Er ist Mitglied der konservativen flämischen Studentenbewegung KVHV (Katholiek Vlaams Hoogstudentenverbond) und ist zum Studentenvertreter in den Vorstand der UGent gewählt worden.

Schild & Vrienden schleuste vier seiner Leute in den Flämischen Jungendrat ein

Vier von den acht in den offiziellen Flämischen Jugendrat gewählten Vertretern, die die flämische Regierung in der Jugendpolitik beraten, sollen Verbindungen zu "Schild en Vrienden" haben. Sie sind radikaler als ihr politisches Engagement (u.a. für Jong N-VA) vermuten lässt. Aus geheimen Gesprächen erfuhr Pano, dass sie die Arbeit des Jugendrates beeinflussen und sabotieren wollen.

Eine Person unter ihnen, eine junge Frau, ist in ihrer Freizeit in der Chatgruppe von S&V aktiv. Dort stieß Pano in den letzten eineinhalb Jahren auf 67.000 rassistische und antisemitische Berichte. Das Mitglied des Jugendrates beleidigt auf einem Discord-Forum Muslime, Homosexuelle, Lesben und Transgender. Ferner versucht S&V auch den Jugendrat mit falschen Profilen von außen mit Kritik zu „trollen“.

Ziel der Bewegung ist es, ihr ultrakonservatives Gedankengut in den Institutionen als normal erscheinen zu lassen und salonfähig zu machen.

Hinter den Kulissen sind die Bewegung und ihr Anführer noch extremer. So schreibt Van Langenhove in einer Chatgruppe: "Einige Kulturen sind minderwertig." Daneben ist ein Foto zu sehen mit einem bewaffneten S&V-Mitglied auf einer flämischen Löwenfahne. Van Langenhove zeigt sich ebenfalls mit einer Waffe. "Der Tag der Gewalt wird noch kommen, ich weiß, welche Seite vorbereitet sein wird", heißt es in einem anderen Post von ihm. In der Discord-Chatgruppe wimmelt es auch von antisemitischen Hassbotschaften gegen jüdische Gemeinschaften und Fotos von Braunhemden aus dem Nazi-Deutschland und Naziführer Adolf Hitler vor dem Konzentrationslager in Auschwitz.

Van Langenhove selbst leugnet in einer Reaktion gegenüber unseres Senders jegliche Beteiligung seinerseits oder seiner Gruppe an diesen Posts. Wohl gesteht er, dass ab und zu ein Witz oder ein Meme gemacht würde, den man als rassistisch interpretieren könnte.

Dries De Smet, der Koordinator des Flämischen Jugendrates, will zunächst nachgehen, um welche Personen es sich genau handele. Im Jugendrat sei jedoch kein Platz für Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, sagte De Smet in einer ersten Reaktion.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen rechte Bewegung „Schild & Vrienden“

Inzwischen ermittelt die Staatanwaltschaft gegen die rechtsextreme Bewegung "Schild & Vrienden". Ein N-VA–Kandidat in Aalst, der mit "Schild & Vrienden" in Verbindung gebracht wird, tritt zurück. Das hat der N-VA-Bürgermeister der Stadt, Christoph D'Haese gemeldet. 

Die Bewegung "Schild & Vrienden" sagt, dass sie junge Leute hinter einem flämischen und rechten Gedankengut vereinen möchte, ohne extrem sein zu wollen, aber online scheint sich "Schild & Vrienden" ganz anders zu verhalten und zeigt ein  rechtsextremes Gesicht.