Flip Franssen

Apfel- und Birnenernte: Bauern brauchen mehr Saisonarbeiter auch von außerhalb der EU

Der Bauernbund hat kurz vor der Obsternte vor allem in der flämischen Provinz Limburg ein Problem. Schätzungsweise 1.700 Erntehelfer stehen gerade in Sint-Truiden, der Hauptstadt des flämischen Obst- und Früchtegebietes Haspengau in den Startlöchern. Das seien viel zu wenig, so die Obstbauern. Sie sagen, dass dieses Jahr tausende Saisonarbeiter aus Polen weniger gekommen sind, als in den Vorjahren.

Unter den rund 1.700 ausländischen Erntehelfern, die in und um Sint-Truiden in der Apfel- und Birnenernte arbeiten, sind zum ersten Mal deutlich mehr Rumänen als Polen, so der Bauernbund. Dort hoffen die Obstbauern, die auf die ausländischen Saisonarbeiter seit Jahren angewiesen sind, auf eine neue belgische Regelung, wie Chris Botterman vom Bauernbund in dieser Woche gegenüber der regionalen flämischen Tageszeitung Het Belang Van Limburg andeutete:

„Wir müssen darüber nachdenken, wo wir in Zukunft unsere Erntehelfer suchen werden. Wir schauen auch auf Arbeitslose und Asylsucher. Aber in diesem Herbst wird normalerweise dem Dekret für wirtschaftliche Migration zugestimmt. Das bietet uns die Möglichkeit, nächstes Jahr Saisonarbeiter auch von außerhalb der Europäischen Union anzuwerben.“

Lieber in Deutschland arbeiten

Warum ausrechnet die Polen hier in Belgien ausbleiben, ist nach  Ansicht von betroffenen Limburger Obstbauern logisch. Diese würden lieber in Deutschland arbeiten, denn dort gilt seit einiger Zeit auch ein Mindestlohn. Eines der Probleme hierzulande ist aber auch, dass die ausländischen Erntehelfer nur für eine bestimmte Dauer in Belgien bleiben dürfen, nämlich für 65 Tage. Deshalb richtet sich ein Appell auch an Bundeslandwirtschaftsminister Daniel Ducarme (MR). Die Landwirte fordern, dass die Saisonarbeiter aus dem Ausland an mindestens 100 Tagen hier arbeiten dürfen.

Der Bauernbund geht sogar in dieser Frage noch weiter, so Het Belang Van Limburg, doch der Landwirtschaftsminister bleibt zurückhaltend: „Ich bin kein Zauberer und in dieser Frage gibt es viele Widersacher. Ich werde dazu eine Versammlung mit meinem Kollegen Philippe De Backer (Open VLD) einberufen.“ De Backer, Belgiens Staatssekretär für die Bekämpfung von Sozialbetrug, hat da ein Wörtchen mitzureden, denn hier müssten deutlichere Absprachen in Sachen Lohnnebenkosten getroffen und die geltenden Regelungen für Kost und Logis angepasst werden. 

Unterschiedliche Regeln bei Obst und Gemüse

Die Landwirtschaft in Belgien hat auch mit den Unterschieden für die Zulassung von Erntehelfern und Saisonarbeitern zu kämpfen. Viele Landwirte haben ihre Anbaugebiete inzwischen erweitert und pflanzen nicht mehr nur Äpfel und Birnen oder Erdbeeren und Pflaumen an, sondern vermehrt auch Spargel oder Pilze.

In der Obsternte dürfen Saisonarbeiter nur 65 Tage in Belgien arbeiten. Im Spargel und bei anderen Gemüsearten aber können Erntehelfer für 100 Tage im Land bleiben. Laut Het Belang Van Limburg kann heute niemand mehr erklären, warum das so ist. Die Landwirte allerdings vermuten, dass die Obstbauern damals bei den entsprechenden Verhandlungen bessere Lobbyarbeit verrichtet haben…