AP2007

Forschungsreaktor: Belgiens Regierung gibt grünes Licht für das „Myrrha“-Projekt

Der Ministerrat der belgischen Bundesregierung hat dem umstrittenen Energieforschungsprojekt „Myrrah“ grünes Licht erteilt. Energieministerin Marie Christine Marghem (MR) gab dazu bekannt, dass die Regierung dafür einen Zuschuss über 550 Mio. € Euro für die Dauer von 20 Jahren zur Verfügung stellt. Bei dem Projekt handelt es sich um ein Forschungsprojekt für eine neue Generation Kernreaktoren.

Beim „Myrrha“-Projet, das steht für „Multipurpose hybrid research reactor for hightech applications“, handelt es sich um einen Prototypen für einen neuartigen Kernreaktor, sprich ein Reaktor der sogenannten „Vierten Generation“. Damit ist Belgien das erste Land weltweit, das sich konkret mit der Entwicklung neuer Atomenergiequellen beschäftigt.

Der dazu zu bauende Forschungsreaktor soll am belgischen Kernforschungszentrum in Mol (Prov. Antwerpen - Foto unten) entstehen. Er soll auf verschiedenen energietechnischen Ebenen zu innovativen Lösungen zum Verarbeiten von radioaktiven Strahlungsabfällen oder zur Entwicklung neuer Reaktorsysteme für die Kernenergie sowie für die nuklearmedizinische Forschung genutzt werden können. Gesteuert werden soll der „Myrrah“-Reaktor durch einen Teilchenbeschleuniger (Beispielfoto oben, CERN in Genf).

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Fachleute sind überzeugt

Vorteil dieses Prototyps ist, wie aus Fachkreisen verlautet, Spaltreaktionen besser in den Griff zu bekommen und die Risiken von spalttechnischen Kettenreaktionen, wie sie in den herkömmlichen Kernreaktoren vorkommen können, zu verhindern.

Durch das „Myrrha“-Projekt soll auch versucht werden, die Halbwertzeit von Strahlenabfall aus der Kernenergie und aus der Nutzung von Radio-Isotopen bei der Krebsbehandlung in der Medizin zu senken, wie Energieministerin Marghem erklärte.

Enormer wirtschaftlicher Mehrwert?

Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Kris Peeters (CD&V) sagte dazu, dass dieses Projekt, an dem sich mehrere belgische Universitäten beteiligen, für bis zu 600 direkte und indirekte hochqualifizierte Arbeitsplätze sorgen kann. Der Teilchenbeschleuniger soll 2026 operativ sein und der Forschungsreaktor ab 2037.

Peeters ergänzte seine Ausführungen zudem mit einer internationalen Ausstrahlung, die dieses Projekt haben kann: „Diese Investierung durch die Bundesregierung ist eine Anregung auch für andere Länder, damit diese in dieses Projekt einsteigen können.“ Laut einer Studie von PwC hat das Projekt einen wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu 6,4 Mia. € innerhalb seiner geplanten Lebensdauer bis zum Jahr 2065.