Wer will heute in Flandern noch eine Sprachausbildung machen?

Immer weniger junge Leute entscheiden sich für eine Sprachausbildung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Brüsseler Universität VUB. Innerhalb von fünf Jahren ist der Anteil  der Studenten in Angewandten Sprachen und Sprach- und Literaturwissenschaften um 23 Prozent gesunken.

Während die Zahl der Studenten zwischen den akademischen Jahren 2012/2013 und 2017/2018 insgesamt zugenommen hat (von 225.000 auf 239.000), ist der Anteil derjenigen, die Angewandte Sprachen und Sprach- und Literaturwissenschaften studieren um 23 Prozent zurückgegangen. Das geht aus einer Untersuchung der VUB hervor, die sich auf Angaben der flämischen Regierung basiert.

Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl der Sprach- und Literaturwissenschaftsstudenten auf 3.263 gesunken, ein Rückgang um 26 Prozent. Auch die Zahl der Achtzehnjährigen, die sich für eine entsprechende Ausbildung entscheidet, hat abgenommen: Von 814 auf 537, ein Rückgang um 34 Prozent. Diese Studenten haben sich wohlgemerkt nicht für eine andere akademische Sprachausbildung entschieden.

Bei den angewandten Sprachen sieht das Bild nicht anders aus. Die Zahl der Immatrikulationen in dieser Fachrichtung ist zurückgegangen. Waren es im September 2012 noch 3.376 Studenten, wurden 2017 nur noch 2.710 registriert, d.h. 20 Prozent weniger.

Sogar für Fächer wie Englisch, von denen man meinen könnte, dass sie stets populärer werden, sind die Hörsäle weniger besetzt, bezeugt der Englisch-Professor Alex Housen in der Zeitung De Morgen. Insbesondere gute Schüler, die in der Oberschule Mathematik als Schwerpunkt hatten, entschieden sich weniger für Sprachen. Das sei früher anders gewesen, so Esli Struys, Professor für Mehrsprachigkeit in De Morgen. „Die Sprachenwahl wird immer mehr zu einer negativen Wahl.“

Die flämische Unterrichtsministerin Hilde Crevits räumt ein, dass man tatsächlich festgestellt habe, dass sich immer mehr junge Leute für Studien im Bereich Wissenschaft entschieden. Das liege am Arbeitsmarkt, der seit einigen Jahren zunehmend nach technischen Berufen verlange.